Levomepromazin und Asenapin – erhöhtes Risiko für QTc-Verlängerungen und mögliches Risiko für Torsades de Pointes (TdP)

Das konventionelle, niederpotente Antipsychotikum Levomepromazin (z.B. Neurocil), wurde zu einer Liste von Substanzen mit bekanntem TdP-Risiko hinzugefügt. Das neuere Antipsychotikum Asenapin (Sycrest), in Deutschland nur zur Behandlung mäßiger bis schwerer manischer Episoden einer Bipolar-I-Störung bei Erwachsenen zugelassen, wurde als Substanz mit QTc-verlängernder Wirkung und „möglichem TdP-Risiko“ eingestuft (https://www.crediblemeds.org/blog/changes-qtdrugs-lists-novdec-2015/).

Asenapin galt nach vorliegenden Studien als Substanz mit geringem, i.d.R. klinisch nicht relevanten Effekt auf die QTc-Zeit (Chapel et al. 2009; 2011). In der aktuellen Literatur konnte nur ein Fall mit einer Erhöhung der QTc-Zeit von 470 auf 500 ms bei einem Patienten mit schizophrener Störung unter Kombination mit vorbestehender Clozapintherapie (Augmentation) gefunden werden (Kotasek et al. 2014), die sich nach Absetzen von Asenapin wieder normalisierte. Dieser Einzelfall kann die Bedeutung von EKG-Ableitungen und QTc-Analysen insbesondere bei Kombinationstherapien mit Psychopharmaka verdeutlichen, ein allgemein erhöhtes TdP-Risiko für Asenapin (in Monotherapie bei Bipolar I-Störung) lässt sich daraus nicht hinreichend sicher ableiten.
In der Fachinformation zu Asenapin (Sycrest, Fa. Lundbeck) wird auf gelegentlich auftretende QT-Verlängerungen (Nebenwirkung) hingewiesen, dort ist jedoch ebenfalls zu finden, dass eine klinisch relevante Verlängerung der QT-Zeit nicht mit Asenapin in Verbindung zu stehen scheint. Vorsicht sei geboten, wenn Asenapin „bei Patienten mit bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Verlängerung der QT-Zeit in der Familienanamnese verordnet wird“ und wenn Asenapin “in Kombination mit anderen Arzneimitteln angewendet wird, die die QT-Zeit verlängern können“ (Fachinformation Sycrest, 2015).

Literatur

Chapel S, Hutmacher MM, Bockbrader H, de Greef R, Lalonde RL. Comparison of QTc data analysis methods recommended by the ICH E14 guidance and exposure-response analysis: case study of a thorough QT study of asenapine. Clin Pharmacol Ther. 2011; 89: 75-80.

Chapel S, Hutmacher MM, Haig G, Bockbrader H, de Greef R, Preskorn SH, Lalonde RL. Exposure-response analysis in patients with schizophrenia to assess the effect of asenapine on QTc prolongation. J Clin Pharmacol. 2009; 49: 1297-308.
Fachinformation Sycrest (Lundbeck), Stand: Oktober 2015.

Kotasek F, Tibrewal P, Dhillon R. QTc prolongation with asenapine. Aust N Z J Psychiatry. 2014; 48: 961.

Matthias J. Müller, Marburg/Gießen, [mjmueller@gmx.de]

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