Antidepressiva – Blutungsrisiko: Update 2014

Bereits seit längerem ist bekannt, dass es auf aufgrund einer Thrombozytenfunktionsstörung mit verminderter Aggregationsfähigkeit unter Antidepressiva mit Hemmung der Serotoninwiederaufnahme (SSRI, SNRI oder SRI) zum Auftreten einer verlängerten Blutungszeit und/oder Anzeichen einer Blutung kommen kann. In Bezug auf gastrointestinale (GI) Blutungen zeigt sich unter Antidepressiva mit Hemmung der Serotoninwiederaufnahme dabei ein erhöhtes Risiko vergleichbar demjenigen unter einer Behandlung mit Thrombozytenaggregationshemmern. Werden gleichzeitig gastrotoxische (NSAID) und/oder die Thrombozytenfunktion beeinflussenden Substanzen verordnet, steigt das Risiko für gastrointestinale Blutungen überadditiv an (s. Abschn. 1.6.4, Kompendium 9. Auflage).
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Vortioxetin – EU-Zulassung als neues Antidepressivum

Im Dezember 2013 erteilte die Europäische Kommission eine Genehmigung für das Inverkehrbringen des Antidepressivums Vortioxetin zur Behandlung der Major Depression. Zuvor hatte im September 2013 die amerikanische Zulassungsbehörde FDA für Vortioxetin eine Zulassung in dieser Indikation erteilt. Vortioxetin wird unter dem Handelsnamen „Brintellix“ (Lundbeck) nach Abschluss von Diskussionen um die Erstattungsfähigkeit und Preisfestsetzung vermutlich ab der zweiten Jahreshälfte 2014 in 5, 10, 15 und 20 mg Tabletten sowie als Tropfen zum Einnehmen (20 mg/ml) erhältlich sein [1].
Die Zulassung basiert auf Daten aus 12 RCT (einschließlich einer RCT bei älteren Patienten > 65 Jahren [2]), von denen sich bei 9 RCT Vortioxetin (in mindestens einer der untersuchten Dosierungen) Plazebo signifikant überlegen zeigte [1, 2-5, 12]. In einer 12-wöchigen doppelblinden Vergleichsstudie gegenüber Agomelatin 25-50 mg/d zeigte sich Vortioxetin Agomelatin überlegen (Study 14178A; [1]). In einer Studie zur Erhaltungstherapie und Rezidivprophylaxe über 24-64 Wochen zeigte Vortioxetin signifikante Vorteile im Vergleich zu Plazebo [6, 7].
Vortioxetin wurde auch bei der generalisierten Angststörung (GAS) geprüft, hier zeigte sich allerdings in 3von 4 publizierten RCT kein signifikanter Vorteil für Vortioxetin im Vergleich zu Plazebo [8-11].
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Quetiapin – Notwendige Ergänzungen zur Plasmaspiegelmessung

Erkenntnisse über die Abhängigkeit des Quetiapin-Plasmaspiegels vom Dosierungsschema und von der galenischen Formulierung erfordern die Anwendung eines Korrekturfaktors, der hier erläutert wird, bei Anwendung von Therapeutischem Drug Monitoring (TDM).

Quetiapin ist ein atypisches Antipsychotikum mit trizyklischer Struktur, das in zwei galenischen Formulierungen verfügbar ist, als nichtretardierte Filmtablette und als Retardtablette. Es ist zugelassen zur Behandlung und Rezidivprävention der Schizophrenie, zur Behandlung der schweren Formen der manischen und depressiven Episoden bei bipolaren Störungen, zur Prävention von Rückfällen bei manischen und depressiven Episoden (nur wenn Quetiapin angesprochen hat) und als Augmentationstherapie bei depressiven Episoden (nur Retardtabletten) (s. Kompendium 9.A und Pocket Guide 2.A).
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Tianeptin – als Antidepressivum jetzt auch in Deutschland verfügbar

Tianeptin, das als Antidepressivum bereits seit 1988 in Frankreich und seit 1999 auch in Österreich unter dem Handelsnamen Stablon® (Servier) zugelassen ist, ist seit November 2012 auch in Deutschland erhältlich und wird von neuraxpharm unter dem Handelsnamen Tianeurax® vertrieben. Strukturchemisch stellt Tianeptin ein trizyklisches Antidepressivum dar; der eigentliche pharmakodynamische Wirkmechanismus allerdings ist auch heute noch unklar. Weiterlesen

Agomelatin – neue Vorsichtsmaßnahmen

Die Firma Servier weist aufgrund einer Überprüfung der Daten zu Transaminasenerhöhungen unter dem Antidepressivum Agomelatin (Valdoxan®) in klinischen Studien und nach Markteinführung durch den Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA (CHMP) in einem Informationsbrief nochmals auf die Notwendigkeit von Leberfunktionstests und das Risiko von Leberschädigungen hin. Änderungen der Produktinformation ergaben sich im Hinblick auf die Notwendigkeit, Leberfunktionstests auch nach Dosissteigerung durchzuführen. Weiterlesen

SSRI – neue Metaanalyse zum Risiko intrakranieller Blutungen

Einer aktuellen, in der Zeitschrift „Neurology“ publizierten Studie der Arbeitsgruppe von Daniel G. Hackam und Marko Mrkobrada der Western University in London (Kanada) nach sind SSRI mit einem erhöhten Risiko für intrakranielle Blutungen assoziiert [1]. Die Autoren führten zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen intrakraniellen Blutungen und einer Exposition mit SSRI eine systematische Übersicht und Metaanalyse von 16 Beobachtungsstudien (n=506411) durch. Weiterlesen

Antidepressiva – Depressionsbehandlung im höheren Lebensalter und bei Demenz.

Die Behandlung depressiver Symptome bei Patienten im höheren Lebensalter und bei Demenz ist von großer Bedeutung. Die Folgen einer unbehandelten depressiven Störung im Alter sind eine reduzierte Lebensqualität, medikamentöse Non-Compliance, erhöhte Morbidität, Mortalität, verlängerte Krankenhausaufenthalte und ein erhöhtes Suizidrisiko, insbesondere bei Männern.
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Antidepressiva – weiterhin engmaschiges Monitoring zur Reduktion des Suizidrisikos nötig

Die Frage, ob Antidepressiva das Suizidrisiko erhöhen können, wird in der Literatur weiterhin intensiv diskutiert. Wie in unseren letzten News zu diesem Thema vom 13.04.07 und 16.05.07 berichtet, ergab sich in einer Metaanalyse der amerikanische Zulassungsbehörde FDA zum Suizidrisiko unter Antidepressiva eine Altersabhängigkeit des Zusammenhangs zwischen einer antidepressiven Behandlung und Suizidideationen und suizidalem Verhalten (Stone M et al., BMJ. 2009;339:b2880). Dies führte zu einer Erweiterung des für Kinder und Jugendliche bereits zuvor ausgesprochenen Warnhinweises zu einem möglichen Zusammenhang zwischen Antidepressiva und Suizidalität auf junge Erwachsene im Alter von 18–24 Jahren (News vom 16.05.2007). Weiterlesen

Antidepressiva – Risiken für Schwangerschaft und Stillzeit,

Um den Leser hinsichtlich aktueller Publikationen zum Einsatz von Antidepressiva während Schwangerschaft und Stillzeit zu informieren, berichten wir über einige wichtige kürzlich erschienene Arbeiten zu diesem Thema. Zuletzt geschah dies im Januar 2011 (www.kompendium-news.de vom 11.01.2011). Hierdurch aktualisieren und ergänzen wir auch unsere Empfehlungen zum Einsatz von Antidepressiva während Schwangerschaft und Stillzeit (letzter Stand in der 8. Auflage des Kompendiums vom November 2010).
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Escitalopram – ebenfalls Warnung vor dosisabhängiger Verlängerung des QT-Intervalls

Nachdem Ende Oktober aufgrund von dosisabhängigen Verlängerungen des QT-Intervalls die zugelassene Tageshöchstdosis von Citalopram reduziert und ein Rote-Hand-Brief veröffentlicht wurde (Kompendium-News von 17.11.11: http://www.kompendium-news.de/2011/11/citalopram-warnung-vor-herzrhythmusstorungen-in-hohen-dosierungen/), folgte nun eine entsprechend lautende Warnung auch für Escitalopram als dem S-Enantiomer des racemischen Gemischs Citalopram (http://www.bfarm.de/DE/Pharmakovigilanz/risikoinfo/2011/rhb-cipralex.html).

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