Quetiapin – Zulassung als add-on zu Antidepressiva zur Augmentationsbehandlung bei Episoden einer Major Depression

Quetiapin hat in seiner retardierten Darreichungsform (Seroquel prolong®) im Oktober 2010 als erstes atypisches Antipsychotikum (AAP) in Europa eine Erweiterung der Zulassung in der Behandlung der unipolaren Depression erhalten. Die Zulassung bezieht sich dabei auf eine Gabe als add-on zu Antidepressiva zur Behandlung depressiver Erkrankungen (Episoden einer Major Depression) als Zusatztherapie bei Patienten, die unzureichend auf die Monotherapie mit einem Antidepressivum angesprochen haben. Der empfohlene und zugelassene Dosisbereich in dieser Indikation beträgt 150-300 mg/Tag. Weiterlesen

Antikonvulsiva – Aktuelle Studien zum Suizidrisiko August 2010

In unserer News vom 30.04.2008 berichteten wir von Hinweisen der FDA auf ein erhöhtes Suizidrisiko bei der Behandlung mit Antikonvulsiva. Zwischenzeitlich wurden die Hersteller von Antikonvulsiva durch die FDA dazu veranlasst, eine Warnung hinsichtlich des Auftretens suizidaler Ideen und Handlungen mit in die Produktbeschreibung aufzunehmen. Verschiedene Autoren kritisierten seitdem die Vorgehensweise der FDA als vorschnell (Hesdorffer & Kanner, Epilepsia 2009, 50: 978-986; Bell et al., CNS Drugs 2009, 23: 281-292)

  Weiterlesen

Lamotrigin – Neue Metaanalyse zur Wirksamkeit bei der bipolaren Depression

Bereits in unserer News vom 20.05.2008 wurden aktuelle Empfehlungen zum Einsatz von Antikonvulsiva bei bipolarer Depression ausführlich dargestellt. Die dort zitierte Metaanalyse (Calabrese et al., Bipolar Disord. 10: 323, 2008) zeigte, dass eine Lamotrigin-Monotherapie hinsichtlich der antidepressiven Wirksamkeit in der Akutbehandlung der bipolaren Depression Placebo nicht überlegen ist.

Weiterlesen

Valproinsäure – Studien zu frühkindlichen Entwicklungsstörungen als Folge intrauteriner Exposition

Bereits in unserer News vom 31.03.2008 wurde über das teratogene Risiko durch Gabe von Antiepileptika bei der Einnahme im 1. Trimenon berichtet. Das bisherige Wissen über die Auswirkungen intrauteriner Antiepileptika-Exposition konnte durch kürzlich erschienene Studien hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf kognitive Funktionen erweitert werden.
Weiterlesen

Quetiapin – Zulassung zur Behandlung manischer und depressiver Phasen

Seit Januar 2009 ist Seroquel Prolong (Quetiapinhemifumarat) in Deutschland durch das BfArM im Rahmen des Verfahrens der gegenseitigen Anerkennung (Mutual Recognition Procedure) der europäischen Zulassung zusätzlich für die Behandlung von schweren depressiven Episoden bei bipolaren Störungen zugelassen. Hierdurch wurde die bereits bestehende Zulassung zur Behandlung von mittelschweren bis schweren manischen Phasen einer bipolaren Störung erweitert.

Die Zulassung beinhaltet sowohl die Akut- als auch die Erhaltungstherapie. Seroquel Prolong® wird jedoch nicht angewendet zur Prävention von Rückfällen in manische oder depressive Phasen.

Kürzlich wurde zudem die Zulassung für Österreich erteilt, eine Zulassung für die Schweiz wird für Herbst 2009 erwartet.

Weiterlesen

Antipsychotika – Diskussion um Risiko eines plötzlichen Herztodes

In einer kürzlich erschienenen Publikation  Ray et al., NEJM 2009, 360:294 wurde darauf hingewiesen, dass nicht nur unter konventionellen, sondern auch unter atypischen Antipsychotika das Risiko für einen plötzlichen Herztod erhöht ist. Die untersuchten Kohorten umfassen ca. 90.000 Patienten mit Antipsychotika und 186.000 gematchte Kontrollen ohne Antipsychotika. Die adjustierte Inzidenzrate für plötzliche kardiale Todesfälle beträgt für Haloperidol und Thioridazin 1,31 (95% Konfidenzintervall 0,97-1,77, niedrige Dosis) bzw. 2,42 (1,91-3,06, hohe Dosis).

Weiterlesen

Antikonvulsiva in der Behandlung der bipolaren Depression – Stand Frühjahr 2008

Bei der Behandlung der bipolaren Depression hat in den letzten Jahren aufgrund neuer Studienergebnisse ein Umdenken stattgefunden. Die Wirksamkeit der  Antikonvulsiva bei der akuten bipolaren Depression wird in meheren Studien hinterfragt.

 

Kleinere, auch Placebo-kontrollierte Studien legen eine antidepressive Wirksamkeit von Carbamazepin bei bipolarer Depression nahe.

 

Valproinsäure war lediglich in zwei sehr kleinen Plazebo-kontrollierten Studien bei der bipolaren Depression wirksam. In einer achtwöchigen Studie an 25 ambulanten Patienten konnte eine signifikante Überlegenheit für Valproinsäure im Vergleich zu Placebo in der Wirksamkeit in der Akutbehandlung der bipolaren Depression gezeigt werden .Davis et al. J Affect Disord. 85:259, 2005

Dies konnte in einer sechswöchigen Studie an 18 nicht therapierefraktären Patienten bestätigt werden. Ghaemi et al., J clin Psychiatry 68:1840, 2007

 

Lamotrigin ist für die Prophylaxe depressiver Episoden bei bipolaren Störungen zugelassen. Wieweit sich die Wirksamkeit von Lamotrigin auch bei der akuten bipolaren Depression nachweisen ließ, blieb zunächst unklar. Eine neue Metaanalyse über fünf doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studien zu Lamotrigin in der akuten Behandlung der bipolaren Depression kommt nun zu dem Ergebnis, dass Lamotrigin Placebo hinsichtlich der antidepressiven Wirksamkeit nicht überlegen ist. Calabrese et al., Bipolar Disord. 10:323, 2008

In den 5 Studien wurden jeweils ca. 200 Patienten randomisiert. Die Dosis von Lamotrigin betrug bei Abschluss der sieben bis zehn Wochen langen Studien 200 – 400 mg/Tag.

Lediglich in einer Studie fand sich eine signifikante Überlegenheit von Lamotrigin gegenüber Placebo in der Besserung von Item 1 (Stimmung) in der Hamilton Depression Rating Scale (HAMD). In dieser Studie verbesserte sich auch die Gesamtsumme in der Montomery-Asberg Depression Rating Scale (MADRS) für Lamotrigin verglichen zu Placebo. Der prozentuale Anteil an Respondern (MADRS-Reduktion von mindestens 50%) zwischen Lamotrigin und Placebo unterschied sich in dieser Studie aber nicht von den anderen Studien.

In keiner der anderen 4 Studien fand sich eine signifikante Überlegenheit von Lamotrigin gegenüber Placebo in der Besserung der Gesamtsumme des HAMD. Auch der prozentuale Anteil an Respondern (HAMD-Reduktion von mindestens 50%) zwischen Lamotrigin und Placebo unterschied sich in keiner der Studien signifikant.

Die Autoren dieser Metaanalyse räumen ein, dass der fehlende Wirksamkeitsunterschied zwischen Lamotrigin und Placebo auf eine starke Placebo-Response zurückgeführt werden könnte. Die Placebo-Response war vergleichsweise niedrig in der Studie, die eine Überlegenheit für Lamotrigin zeigte. Die Metaanalyse kommt zu dem Ergebnis, dass eine Lamotrigin-Monotherapie gegenüber Placebo in der Akutbehandlung der bipolaren Depression nicht überlegen ist.

 

Unter Berücksichtigung dieser neuen Studien empfehlen wir folgendes Vorgehen bei der Behandlung der akuten bipolaren Depression:

 

1.   Leichte depressive Episoden sollten mit Verhaltenstherapie und einem Stimmungsstabilisierer bzw. AAP (Lithium, Quetiapin oder in zweiter Linie Olanzapin) behandelt werden, um das Risiko, eine Manie oder ein Rapid cycling zu induzieren, gering zu halten.

2.   Bei mittelschweren und schweren depressiven Syndromen, insbesondere solchen mit Suizidalität, kann nicht auf die Gabe eines Antidepressivums verzichtet werden. Dann sollte zunächst auf einen SSRI oder Bupropion zurückgegriffen werden; TZA und Venlafaxin sind zu meiden. Es ist jedoch unklar, wann die antidepressive Therapie beendet werden soll, um das Risiko, eine Manie oder ein Rapid cycling zu induzieren, zu minimieren. Neuere Studien zeigen für die Behandlung mit SSRI oder Bupropion kein erhöhtes Risiko für ein Umkippen in eine Manie (allerdings wird auch ihre Wirksamkeit bei bipolarer Depression in Frage gestellt).

3.   Entscheidet man sich für die Gabe von Antidepressiva, sollte dies unter dem Schutz eines Stimmungsstabilisierers (s. Punkt 1) erfolgen.

4.   Bei Veränderung des Zulassungsstatus könnte Quetiapin (300 mg/Tag) Mittel der ersten Wahl werden.

 

 

Olaf Möller, Aachen

Gerhard Gründer, Aachen

Otto Benkert, Mainz

 

Mai 2008

Addendum zur News zu Valbenazin vom 13. 7. 17
Für Valbenazin und Deutetrabenazin besteht wegen möglicher QTc-Verlängerungen auch in klinisch üblichen Dosierungen ein mögliches Risiko für Torsades de Pointes (TdP) [1]
[1] https://crediblemeds.org/blog/four-drugs-added-crediblemeds-qtdrugs-lists vom 31.07.2017

Hinweise auf ein erhöhtes Interaktionsrisiko bei Kombination von Lamotrigin und Aripiprazol

Ein Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) ist eine schwerwiegende und lebensbedrohliche Hautreaktion, die bei Behandlung mit Lamotrigin als seltene (>1:10.000-<1:1.000) Nebenwirkung auftreten kann.

Bei zwei von drei Patienten, die eine Kombination mit Aripiprazol erhielten, wurde ein SJS berichtet Shen et al., Int Clin Psychopharamcol, 2007; 22:247. Es wurde von den Autoren geschlossen, dass bei einer Lamotriginbasistherapie Aripiprazol das Risiko für ein SJS steigert.

Diese Annahme wird durch einen weiteren Fallbericht gestützt Hilas und Charneski; Am J Health Syst Pharm, 2007; 64:273. Ein SJS war bei einer Patientin mit schizoaffektiver Störung unter Lamotrigin beobachtet worden, die zusätzlich Aripiprazol und Citalopram einnahm.

Da unter einer Behandlung mit Lamotrigin bei bipolarer Störungen die Indikation für ein Antipsychotikum relativ häufig ist, sollte zunächst (bis weitere Daten vorliegen) die Kombination von Lamotrigin und Aripiprazol vermieden werden. Zumindest sollte die Behandlung sofort ausgesetzt werden, wenn Hautrötungen auftreten.

Christoph Hiemke, Mainz

Otto Benkert, Mainz .