Lithium – Aktuelle Befunde zur vermuteten Assoziation mit Tumo-ren ableitender Harnwege

Lithium und Valproat, nicht aber Carbamazepin, haben inhibitorische Effekte auf die Glykogen-Synthase-Kinase-3-β (GSK3-β), deren Überexpression zu einer vermehrten Apoptose führt. Hinweise, wonach Lithium durch eine Inhibition von GSK3- β in Zusammenhang mit der Entwicklung demenzieller Syndrome (GSK3- β scheint in der Pathogenese der Demenz eine Rolle zu spielen) in Verbindung steht, zeigten sich nicht. Vielmehr waren mit Lithium behandelte bipolare Patienten signifikant seltener dement (Gerhard et al 2015). Jedoch lässt die durch Lithium verursachte Inhibition von GSK3- β als einem Enzym, das in die Pathogenese verschiedener Krebsarten involviert ist, die Frage aufkommen, ob eine Assoziation zwischen einer Lithiumtherapie und Krebserkrankungen, vor allem Tumoren ableitender Harnwege besteht.
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Quetiapin – Fallberichte von Kardiomyopathien

Ein gut dokumentierter, kürzlich publizierter Einzelfall spricht recht eindeutig für eine durch Quetiapin verursachte, medikamentös-toxische schwere Kardiomyopathie mit kardiogenem Schock im Verlauf einer etwa 4-monatigen Therapie mit Quetiapin 800mg/d bei einer 39-jährigen Patientin mit Psychose [1,2]. Sowohl ausführliche kardiale Normalbefunde vor Beginn der Therapie als auch die stationär durchgeführte präzise Differenzialdiagnostik und die weitgehende Restitution der kardiologischen Befunde unter Aripiprazol sprechen für einen kausalen Zusammenhang [1]. Weiterlesen

Carbamazepin – Therapiesicherheit bei der Behandlung: HLA-Allele disponieren für UAWs

Mit einer Carbamazepin-Behandlung ist häufiger als bei den meisten anderen Medikamenten das Auftreten eines Stevens-Johnson-Syndroms (SJS) oder einer Toxischen Epidermalen Nekrolyse (TEN) als schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen bekannt.
Es liegen Daten vor, die darauf hinweisen, dass das Allel HLA-A*3101 bei Personen mit europäischer Abstammung sowie bei Japanern mit einem erhöhten Risiko von Carbamazepin-induzierten unerwünschten Arzneimittelwirkungen der Haut assoziiert ist (McCormack et al. 2011). Weiterlesen

Valproat – verstärkte Sicherheitswarnung zu hohem Anomalierisiko bei Neugeborenen

Bereits in der aktuellen Auflage 10. Auflage des Kompendiums der Psychiatrischen Pharmakotherapie haben wir dringend davor gewarnt, Valproat bei Frauen im gebärfähigen Alter anzuwenden. Kurz nach Erscheinen des Kompendiums wurde dann seitens der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Dezember 2014 ein Rote-Hand-Brief veröffentlicht, der verstärkte Sicherheitswarnungen in Bezug auf alldiejenigen Arzneimittel aussprach, die Valproat enthalten. Konkret geht es hierbei um das Risiko für Anomalien des Neugeborenen, falls Valproat in der Schwangerschaft eingesetzt werden sollte. Weiterlesen

Lamotrigin und Sertralin – Verzicht auf die Kombination wegen hoher Interaktionsrisiken

Arzneimittelinteraktionen können zu erwünschten, aber auch zu verminderten und unerwünschten Wirkungen führen. Die Wahrscheinlichkeit von (pharmakokinetischen) Wechselwirkungen steigt vor allem dann, wenn gemeinsame Stoffwechselwege genutzt werden und eine wechselseitige Beeinflussung des Metabolismus stattfindet.
Kontrovers diskutiert wird derzeit eine mögliche Wechselwirkung zwischen Sertralin und Lamotrigin mit einer wahrscheinlich erhöhten Auftretenswahrscheinlichkeit unerwünschter Arzneimittelwirkungen, wobei die Datenlage derzeit noch keine eindeutigen Schlüsse zulässt.
Wir möchten trotzdem an dieser Stelle auf die Möglichkeit einer Interaktion zwischen Sertralin und Lamotrigin hinweisen, weil sie vor allem mit einer erhöhten Inzidenz von unerwünschten Arzneimittelwirkungen im Sinne idiosynkratischer Hautreaktionen einhergehen könnte. Weiterlesen

Lurasidon – Zulassung zur Schizophrenie-Behandlung in der EU

Für Lurasidon (Latuda) wurde nach der FDA-Zulassung (Schizophrenie im Oktober 2010, Dosis 40-160mg/d; Bipolare Depression, als Monotherapie oder in Verbindung mit Lithium oder Valproat, im Juni 2013, Dosis 20-120mg/d) die Zulassung zur Schizophrenie-Behandlung bei der European Medicines Agency (EMA) im Oktober 2012 beantragt. In der Schweiz besteht bereits eine Zulassung zur Behandlung von Patienten mit Schizophrenie (August 2013).
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Risperidon und Paliperidon – Rote-Hand-Brief zum Risiko eines Intraoperativen Floppy Iris Syndrom (IFIS)

Am 09.09.2013 wurde von der Fa. Janssen-Cilag GmbH in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in einem Rote-Hand-Brief über das Risiko eines intraoperativen Floppy Iris Syndroms (IFIS) während einer Kataraktoperation bei Patienten unter Behandlung mit Risperidon oder Paliperidon informiert.
Ein IFIS ist mit einer erhöhten Rate kataraktchirurgischer Komplikationen verbunden, einschließlich Ruptur der hinteren Linsenkapsel und Glaskörperverlust.
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Quetiapin – Notwendige Ergänzungen zur Plasmaspiegelmessung

Erkenntnisse über die Abhängigkeit des Quetiapin-Plasmaspiegels vom Dosierungsschema und von der galenischen Formulierung erfordern die Anwendung eines Korrekturfaktors, der hier erläutert wird, bei Anwendung von Therapeutischem Drug Monitoring (TDM).

Quetiapin ist ein atypisches Antipsychotikum mit trizyklischer Struktur, das in zwei galenischen Formulierungen verfügbar ist, als nichtretardierte Filmtablette und als Retardtablette. Es ist zugelassen zur Behandlung und Rezidivprävention der Schizophrenie, zur Behandlung der schweren Formen der manischen und depressiven Episoden bei bipolaren Störungen, zur Prävention von Rückfällen bei manischen und depressiven Episoden (nur wenn Quetiapin angesprochen hat) und als Augmentationstherapie bei depressiven Episoden (nur Retardtabletten) (s. Kompendium 9.A und Pocket Guide 2.A).
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Loxapin – zugelassen als inhalatives Antipsychotikum

Nach der FDA (Dezember 2012) hat auch die europäische Zulassungsbehörde (EMA) im Februar 2013 Loxapin (Adasuve) als erstes inhalatives Antipsychotikum für die schnelle Kontrolle leichter bis moderater Agitiertheit bei Erwachsenen mit Schizophrenie oder bipolarer Störung (BP I) zugelassen. Hersteller ist Alexza Pharmaceuticals (USA), den Vertrieb in Europa übernimmt die Ferrer-Gruppe (in Deutschland die Firma Trommsdorff). Adasuve wird in den nächsten Wochen verfügbar sein.
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Quetiapin – Zulassung als add-on zu Antidepressiva zur Augmentationsbehandlung bei Episoden einer Major Depression

Quetiapin hat in seiner retardierten Darreichungsform (Seroquel prolong®) im Oktober 2010 als erstes atypisches Antipsychotikum (AAP) in Europa eine Erweiterung der Zulassung in der Behandlung der unipolaren Depression erhalten. Die Zulassung bezieht sich dabei auf eine Gabe als add-on zu Antidepressiva zur Behandlung depressiver Erkrankungen (Episoden einer Major Depression) als Zusatztherapie bei Patienten, die unzureichend auf die Monotherapie mit einem Antidepressivum angesprochen haben. Der empfohlene und zugelassene Dosisbereich in dieser Indikation beträgt 150-300 mg/Tag. Weiterlesen