Haloperidol – Warnung der FDA vor kardialen Nebenwirkungen bei hohen Dosen und i.v. Gabe

Halopridol – Warnung der FDA vor kardialen Nebenwirkungen bei hohen Dosen und i.v. Gabe

Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA warnte am 18. September 2007 vor QT-Verlängerung, Torsades des Points (TdP) und plötzlichem Herztod unter Gabe von Haloperidol, zu denen es insbesondere nach der intravenösen Gabe oder bei hohen Dosierungen kommen kann. Die FDA und die Hersteller nennen 28 dokumentierte Zwischenfälle, die teilweise tödlich endeten.

Auf das Risiko von QT-Verlängerungen unter Haloperidol wird in den deutschen Fachinformationen bereits seit längerem hingewiesen. Vorsicht ist nach den Angaben der FDA vor allem bei Patienten mit Begleiterkrankungen geboten, bei denen die QT-Zeit typischerweise verlängert ist. Dazu gehörten Elektrolytstörungen (vor allem Hypokaliämie und Hypomagnesiämie), kardiale Störungen, Hypothyreose, das familiäre “Long QT Syndrom” oder die Einnahme von anderen das QT-Interval verlängernden Medikamenten (vgl. auch Kompendium, 6.Auflage, Kap.3.6.3, S. 228ff).

Weitere Daten sind jedoch für eine abschließende Risikoeinschätzung notwendig, um die Häufigkeit von QT-Verlängerungen oder TdP im Verhältnis zur Häufigkeit der Anwendung, der Dosierung und der Applikationsform von Haloperidol beurteilen zu können. EKG-Monitoring wird von der FDA bei intravenöser Haloperidol-Gabe empfohlen und auf die fehlende Zulassung zur i.v.-Applikation in den USA verwiesen.

Matthias J. Müller, Gießen und Marburg

Otto Benkert, Mainz

Hinweise auf ein erhöhtes Interaktionsrisiko bei Kombination von Lamotrigin und Aripiprazol

Ein Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) ist eine schwerwiegende und lebensbedrohliche Hautreaktion, die bei Behandlung mit Lamotrigin als seltene (>1:10.000-<1:1.000) Nebenwirkung auftreten kann.

Bei zwei von drei Patienten, die eine Kombination mit Aripiprazol erhielten, wurde ein SJS berichtet Shen et al., Int Clin Psychopharamcol, 2007; 22:247. Es wurde von den Autoren geschlossen, dass bei einer Lamotriginbasistherapie Aripiprazol das Risiko für ein SJS steigert.

Diese Annahme wird durch einen weiteren Fallbericht gestützt Hilas und Charneski; Am J Health Syst Pharm, 2007; 64:273. Ein SJS war bei einer Patientin mit schizoaffektiver Störung unter Lamotrigin beobachtet worden, die zusätzlich Aripiprazol und Citalopram einnahm.

Da unter einer Behandlung mit Lamotrigin bei bipolarer Störungen die Indikation für ein Antipsychotikum relativ häufig ist, sollte zunächst (bis weitere Daten vorliegen) die Kombination von Lamotrigin und Aripiprazol vermieden werden. Zumindest sollte die Behandlung sofort ausgesetzt werden, wenn Hautrötungen auftreten.

Christoph Hiemke, Mainz

Otto Benkert, Mainz .

Paliperidon – Neuzulassung eines Atypischen Antipsychotikums

Paliperidon (9-OH-Risperidon), der aktive Metabolit von Risperidon, ist in den USA bereits seit Dezember 2006 zur Behandlung schizophrener Störungen zugelassen. Die Zulassung in Europa (INVEGA) in dieser Indikation wird für Mitte 2007 erwartet.

Paliperidon ist ein hochaffiner D2-/5-HT2-Antagonist mit alpha1- und alpha2-antagonistischer Wirkung, schwacher H1-antagonistischer Wirkung und nahezu fehlender Affinität zu muscarinergen Rezeptoren. Die Besonderheit von Paliperidon ER (extended release) liegt in der Kombination einer Verbesserung der Metabolisierung (Vorteil geringerer Arzneimittelwechselwirkungen) und einer freisetzungsverzögernden galenischen Formulierung (mit Hilfe eines patentierten Systems: osmotic-controlled release oral-delivery system [OROS®]). Die daraus resultierende Pharmakokinetik führt zu stetig und kontinuierlich ansteigenden Plasmakonzentrationen mit einer HWZ von etwa 24 Std. und ermöglicht die tägliche Einmalgabe ohne Aufdosierung. Die Molekülstruktur (OH-Gruppe) und die gleichmäßigeren Plasmaspiegelverläufe lassen weniger Interaktionen (nur 40% der Substanz werden metabolisiert) und ein günstiges Nebenwirkungsprofil (im Vergleich zu Risperidon insbesondere in Hinblick auf EPS) erwarten.Erste Ergebnisse aus insgesamt fünf placebo-kontrollierten Zulassungsstudien (Dosisbereich 3-15 mg, empfohlene Standarddosierung 6 mg/Tag) zeigen sowohl die gute Verträglichkeit und antipsychotische Wirksamkeit als auch eine Verbesserung psychosozialer Funktionsparameter unter Paliperidontherapie (Yang & Plosker;CNS Drugs 2007;21:417)

Für Paliperidon ist auch ein Depotpräparat 4-wöchigen Injektionsintervallen in Erprobung. Mit Paliperidon steht in Kürze ein atypisches Antipsychotikum zu Verfügung, das auf der Grundlage der bisherigen Studienergebnisse das Wirkungsprofil der Muttersubstanz mit den Vorteilen geringerer Plasmakonzentrationsschwankungen, geringerer pharmakokinetischer Wechselwirkungen und der Möglichkeit einer täglichen Einmalgabe ohne Aufdosierung verbindet.

Matthias J. Müller, Gießen und Marburg Otto Benkert, Mainz