Therapieresistente Depression – Neue Metanalyse zu verschiedenen Augmentationsmöglichkeiten

In Bezug auf Möglichkeiten der Augmentation bei therapieresistenter Depression ergab eine aktuelle vergleichende Metaanalyse zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von insgesamt 11 medikamentösen Kombinations- bzw. Augmentationsmöglichkeiten bei therapieresistenter Depression für Aripiprazol und Quetiapin die besten Ergebnisse (Zhou et al., 2015). Eingeschlossen wurden 48 RCT mit insgesamt 6654 Patienten, berücksichtigt wurden randomisierte, kontrollierte Studien (RCT) mit Aripiprazol, Bupropion, Buspiron, Lamotrigin, Lithium, Methylphenidat, Olanzapin, Pindolol, Quetiapin, Risperidon und Schilddrüsenhormon. Betrachtet wurde primär der Anteil von Patienten, die eine Response erreichten, daneben auch der Anteil an Patienten mit Remission. Ferner wurde die Akzeptanz einer Augmentation, definiert als Anzahl an Therapieabbrüchen insgesamt, sowie die Verträglichkeit, definiert als Anzahl an Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen, vergleichend untersucht. Weiterlesen

Antikonvulsiva – Aktuelle Studien zum Suizidrisiko August 2010

In unserer News vom 30.04.2008 berichteten wir von Hinweisen der FDA auf ein erhöhtes Suizidrisiko bei der Behandlung mit Antikonvulsiva. Zwischenzeitlich wurden die Hersteller von Antikonvulsiva durch die FDA dazu veranlasst, eine Warnung hinsichtlich des Auftretens suizidaler Ideen und Handlungen mit in die Produktbeschreibung aufzunehmen. Verschiedene Autoren kritisierten seitdem die Vorgehensweise der FDA als vorschnell (Hesdorffer & Kanner, Epilepsia 2009, 50: 978-986; Bell et al., CNS Drugs 2009, 23: 281-292)

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Lamotrigin – Neue Metaanalyse zur Wirksamkeit bei der bipolaren Depression

Bereits in unserer News vom 20.05.2008 wurden aktuelle Empfehlungen zum Einsatz von Antikonvulsiva bei bipolarer Depression ausführlich dargestellt. Die dort zitierte Metaanalyse (Calabrese et al., Bipolar Disord. 10: 323, 2008) zeigte, dass eine Lamotrigin-Monotherapie hinsichtlich der antidepressiven Wirksamkeit in der Akutbehandlung der bipolaren Depression Placebo nicht überlegen ist.

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Valproinsäure – Studien zu frühkindlichen Entwicklungsstörungen als Folge intrauteriner Exposition

Bereits in unserer News vom 31.03.2008 wurde über das teratogene Risiko durch Gabe von Antiepileptika bei der Einnahme im 1. Trimenon berichtet. Das bisherige Wissen über die Auswirkungen intrauteriner Antiepileptika-Exposition konnte durch kürzlich erschienene Studien hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf kognitive Funktionen erweitert werden.
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Carbamazepin – Risiko von Hautreaktionen bei Kombination mit Paracetamol um das 40-fache erhöht.

Die Behandlung mit Antikonvulsiva wie Carbamazepin, Lamotrigin oder Valproinsäure geht mit einem erhöhten Risiko von Hautreaktionen einher. Neben einfachen Hautreaktionen kann es auch zum Stevens-Johnson-Syndrom oder zur toxischen epidermalen Nekrolyse kommen (TEN). Die toxische epidermale Nekrolyse (auch Lyell-Syndrom genannt) ist die Maximalvariante des Stevens-Johnson-Syndroms. Es handelt sich um die gleiche seltene, aber potentiell lebensbedrohliche Erkrankung. Klinisch treten beim Stevens-Johnson-Syndrom abrupt Exantheme auf, die sich rasch ausbreiten. Oft kommt es vorher zu Fieber, Grippegefühl, Kopfschmerzen, Halsschmerzen oder Muskelschmerzen. Bei Verdacht auf ein Stevens-Johnson-Syndrom müssen die Präparate sofort abgesetzt werden.
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Hinweise auf erhöhtes Suizidrisiko bei der Behandlung mit Antikonvulsiva durch die FDA

Die FDA warnt im Januar 2008 vor einem doppelten Risiko für Suizidgedanken und suizidalem Verhalten bei der Behandlung mit Antikonvulsiva im Vergleich zu Placebo http://www.fda.gov/cder/drug/infopage/antiepileptics/default.htm. Die Grundlage ist eine Metaanalyse von Studien mit unterschiedlichen Erkrankungsbildern, bei denen Antikonvulsiva verordnet worden waren. Das relative Risiko war bei Patienten mit Epilepsien deutlich stärker erhöht (3,6fach) als bei Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen (1,6fach) (Tab. 1).

Es wurde das Auftreten von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten in 199 placebo-kontrollierten klinischen Studien von der FDA analysiert. Es wurden elf Antikonvulsiva (Carbamazepin, Felbamat, Gabapentin, Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazepin, Pregabalin, Tiagabin, Topiramat, Valproat, Zonisamid) verordnet. Die Analyse schloss 43892 Patienten (Alter ≥ 5 Jahre) ein, davon 27863 unter Antikonvulsiva und 16029 Placebo. Der Beobachtungszeitraum reichte von der ersten bis zur 24. Behandlungswoche.

Vier Patienten, die Antikonvulsiva einnahmen, suizidierten sich, während sich kein Patient aus der Placebo-Gruppe suizidierte. In der Analyse zeigten Patienten, die eine antikonvulsive Medikation erhielten, ein doppeltes Risiko für Suizidgedanken und suizidales Verhalten (0.43%) verglichen mit den Patienten unter Placebo (0.22%). Der Unterschied ist statistisch signifikant. Die Ergebnisse waren konsistent bei allen elf Medikamenten. Sowohl Patienten, die wegen einer Epilepsie als auch wegen einer psychiatrischen Erkrankung oder aus anderen Gründen, z.B. wegen neuropathischer Schmerzen, mit Antikonvulsiva behandelt worden waren, zeigten im Vergleich zu Plazebo ein erhöhtes Risiko. Es fanden sich keine spezifischen demographischen Subgruppen. Auch bezüglich des Alters der Patienten fand sich kein spezifisches Muster.

Tab. 1: Relatives Risiko und Risiko-Unterschiede für Suizidalität in der FDA-Analyse

Indikation Placebo-Gruppe mit Ereignissen pro 1000 Patienten Antikonvulsiva-Gruppe mit Ereignissen pro 1000 Patienten Relatives Risiko:
Inzidenz in der Antikonvulsiva-Gruppe / Inzidenz in der Placebo-Gruppe
Epilepsien 1.0 3.5 3.6
Psychiatrische Erkrankungen 5.2 8.3 1.6
Andere 0.8 2.0 2.3
Gesamt 2.2 4.3 2.0

Die FDA empfiehlt bei Patienten unter Antikonvulsiva auf suizidale Hinweise sorgfältig zu achten. Es wird aber nicht empfohlen, eine Behandlung unter Antikonvulsiva abzubrechen.

Ähnlich wie bei der Frage einer Induktion suizidaler Gedanken unter SSRI kann erst in prospektiven Studien erkannt werden, in welchem Verhältnis der positive suizidverhütende Effekt durch Antikonvulsiva bei bipolaren affektiven Störungen zu einem möglichen höheren Suizidrisiko unter Antikonvulsiva steht.

Olaf Möller, Aachen

Gerhard Gründer, Aachen

Otto Benkert, Mainz April 2008

Hinweise auf ein erhöhtes Interaktionsrisiko bei Kombination von Lamotrigin und Aripiprazol

Ein Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) ist eine schwerwiegende und lebensbedrohliche Hautreaktion, die bei Behandlung mit Lamotrigin als seltene (>1:10.000-<1:1.000) Nebenwirkung auftreten kann.

Bei zwei von drei Patienten, die eine Kombination mit Aripiprazol erhielten, wurde ein SJS berichtet Shen et al., Int Clin Psychopharamcol, 2007; 22:247. Es wurde von den Autoren geschlossen, dass bei einer Lamotriginbasistherapie Aripiprazol das Risiko für ein SJS steigert.

Diese Annahme wird durch einen weiteren Fallbericht gestützt Hilas und Charneski; Am J Health Syst Pharm, 2007; 64:273. Ein SJS war bei einer Patientin mit schizoaffektiver Störung unter Lamotrigin beobachtet worden, die zusätzlich Aripiprazol und Citalopram einnahm.

Da unter einer Behandlung mit Lamotrigin bei bipolarer Störungen die Indikation für ein Antipsychotikum relativ häufig ist, sollte zunächst (bis weitere Daten vorliegen) die Kombination von Lamotrigin und Aripiprazol vermieden werden. Zumindest sollte die Behandlung sofort ausgesetzt werden, wenn Hautrötungen auftreten.

Christoph Hiemke, Mainz

Otto Benkert, Mainz .