Citalopram und Escitalopram – Pharmakodynamische und pharmakokinetische Unterschiede und klinische Konsequenzen

Bei einem chiralen Molekül können die einzelnen Stereoisomere Unterschiede hinsichtlich ihrer pharmakodynamischen und pharmakokinetischen Eigenschaften aufweisen. Der selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Citalopram ist ein razemisches Gemisch aus S-(+)Citalopram (Escitalopram) und R-(-)Citalopram. Dabei zeigt Escitalopram eine hohe Affinität für den Serotonintransporter und führt zu einer Serotoninwiederaufnahmehemmung, während R-Citalopram nur eine geringe Affinität für den Serotonintransporter aufweist. Entsprechend wird die antidepressive Wirkung von Citalopram allein dem Anteil an Escitalopram zugeschrieben, während R-Citalopram keine Wirkung am Serotonintransporter zeigt und damit als inaktives Stereoisomer gilt.
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Brexanolon – erste FDA Zulassung speziell für postpartale Depressionen

Im März 2019 hat die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA Brexanolon, die synthetische Form des neuroaktiven Steroids Allopregnanolon, ein Metabolit des Hormons Progesteron, zur Behandlung der postpartalen Depression zugelassen. Die Zulassung erfolgte beschleunigt unter den Kategorien „Priority Review“ und „Breakthrough Therapy“. Das in den USA als ZULRESSO™ bezeichnete Pharmakon wird von SAGE Therapeutics vertrieben.
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SSRI – neue Daten zeigen keine Effekte auf die Rehabilitationsergebnisse nach Schlaganfall

Depressive Symptome nach einem Schlaganfall treten häufig auf und sind mit schlechteren Rehabilitationsergebnissen und einer erhöhten Mortalität assoziiert (s. auch Kap. 1.4.1, S. 30 im Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie zur Post-Stroke-Depression). Nachdem vorherige RCT und Metaanalysen positive Effekte von SSRI auf die Rehabilitation nach Schlaganfall auch bei nicht depressiven Patienten gefunden hatten [1, 2], die auf neuroprotektive und die Neuroregeneration fördernde Eigenschaften von SSRI zurückgeführt wurden, konnten zwei kürzlich publizierte, große RCT keine positiven Effekte von Citalopram bzw. Fluoxetin auf das Rehabilitationsergebnis bei nicht depressiven Patienten mit akutem Schlaganfall aufzeigen [3, 4]. Weiterlesen

Nortriptylin – wieder im Handel

Nachdem Lundbeck Nortripylin aus dem Handel genommen hatte kann jetzt wieder Nortriptylin von Glenmark verordnet werden. Da das Präparat zur Zeit der Herstellung der 12. Auflage des Kompendiums der Psychiatrischen Pharmakotherapie nicht verfügbar war, wurde auf die Darstellung verzichtet. Für die Leser der 12. Auflage des Kompendiums und der 5. Auflage des Pocket Guide wird hier nun die aktualisierte Fassung für Nortriptylin in die News eingestellt. Weiterlesen

Antidepressiva – Update zum Risiko intrakranieller Blutungen

Bereits seit längerem ist bekannt, dass es aufgrund einer Thrombozytenfunktionsstörung mit verminderter Aggregationsfähigkeit unter Antidepressiva mit Hemmung der Serotoninwiederaufnahme zum Auftreten einer verlängerten Blutungszeit und/oder Anzeichen einer Blutung kommen kann (s. Abschn. 1.5.4 im Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie).
In Bezug auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen ergab eine neue retrospektive Fall-Kontroll-Studie, die 2017 in JAMA Neurology veröffentlicht wurde, wiederum ein erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen in Abhängigkeit der Affinität der Antidepressiva zum Serotonintransporter [1]. Ein erhöhtes Risiko zeigte sich hier für Antidepressiva mit starker Affinität zum Serotonintransporter als Ausdruck einer ausgeprägten Hemmung der Serotoninwiederaufnahme im Vergleich zu Antidepressiva mit niedriger Affinität zum Serotonintransporter, insbesondere während des ersten Monats der Einnahme und im Fall einer Kombination mit oralen Antikoagulanzien. Weiterlesen

Ketamin – American Psychiatric Association (APA) veröffentlicht Anwendungsempfehlungen zum Einsatz in der Behandlung depressiver Störungen

Anhand von mehreren Studien konnte mittlerweile eine positive Wirkung des NMDA-Antagonisten Ketamin bei therapieresistenten depressiven Störungen aufgezeigt werden, so dass die intervenöse Gabe des seit den 1970er Jahren zugelassenen Anästhetikums/Analgetikums in subanästhetischen Dosen zunehmend in der antidepressiven Behandlung eingesetzt wird (siehe Kap. 1.2 und Kap. 1.4.2. des Kompendiums). In Anbetracht des zunehmenden off-label Gebrauchs von Ketamin in psychiatrischen Indikationen, eines vermehrten Medieninteresses und zunehmender Patientenanfragen nach einer Ketaminbehandlung veröffentlichte die American Psychiatric Association (APA) kürzlich eine Übersicht zur aktuellen Datenlage sowie Anwendungsempfehlungen zum Einsatz von Ketamin in der Behandlung depressiver Störungen [1]. Weiterlesen

Statine – neue Hinweise auf mögliche positive Effekte bei depressiven Störungen

In Bezug auf die Pathogenese depressiver Störungen mehren sich Hinweise auf eine Beteiligung inflammatorischer Prozesse und einer hierdurch gestörten neuronalen Homöostase, zumindest in einer Untergruppe von depressiven Patienten („Neuroinflammatorische Hypothese der Depression“) [1]. In diesem Zusammenhang wird auch eine antidepressive Wirkung von Substanzen, denen antiinflammatorische/ immunmodulierende Eigenschaften zugeschrieben werden wie beispielsweise Acetylsalicylsäure, das Tetrazyklin Minocyclin, aber auch Statine diskutiert (s.auch Kap. 1.2. des Kompendiums der Psychiatrischen Pharmakotherapie, 11. A). Weiterlesen

Milnacipran – auch in Deutschland als Antidepressivum erhältlich

Der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) Milnacipran ist in Deutschland seit März 2016 zugelassen, in Österreich erfolgte die Zulassung bereits 1998. Als Antidepressivum ist Milnacipran in über 40 Ländern zugelassen, darunter Frankreich, Russland, Japan und Finnland, aber nicht in der Schweiz. Seit August 2016 ist Milnacipran zur Behandlung der Major Depression von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattungsfähig. In der Indikation Fibromyalgie-Syndrom (FMS) ist Milnacipran seit 2009 in den USA zugelassen (Palmer RH et al, 2010).
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SSRI – Neue Dosis-Wirkungsbeziehung

Bei SSRI ist ein verbesserter Therapieerfolg durch Dosiserhöhungen innerhalb des empfohlenen Dosisbereiches bei der Behandlung der Major Depression bislang nicht angenommen worden. Höhere Dosierungen als die niedrigste wirksame Dosis schienen anhand früherer Studienergebnisse bei fehlendem Wirksamkeitsvorteil hingegen einzig mit vermehrten Nebenwirkungen assoziiert zu sein [1]. Entsprechend wird auch in der 2015 aktualisierten S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ für SSRI bei initial unzureichender Response von einer Anhebung der Dosierung in Abhängigkeit von Verträglichkeit und den Anwendungsempfehlungen im Hinblick auf die hier fehlende Dosis-Wirkungs-Beziehung und Nachteilen in Bezug auf ein möglicherweise erhöhtes Nebenwirkungsprofil abgeraten [2]. Weiterlesen

Vortioxetin – Zusatznutzen vom Gemeinsamen Bundesausschuss nicht anerkannt

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in seiner Sitzung am 15. Oktober 2015 beschlossen, den Zusatznutzen des seit Mai 2015 in Deutschland erhältlichen Antidepressivums Vortioxetin (Brintellix®) [1, 2] nicht anzuerkennen [3]. Damit folgt der G-BA der Einschätzung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), welches vom G-BA mit der Nutzenbewertung beauftragt worden war und seinen Bericht im August 2015 veröffentlicht hatte [4]. Als „zweckmäßige Vergleichstherapie“ wurde hierbei für leichte depressive Episoden ein „beobachtendes Abwarten“, für mittelgradige und schwere depressive Episoden eine Behandlung „mit einem Antidepressivum aus der Wirkstoffgruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)“ angenommen, ein Zusatznutzen sei hierbei nach Einschätzung des G-BA und des IQWiG für Vortioxetin nicht belegt. Weiterlesen