Ketamin – American Psychiatric Association (APA) veröffentlicht Anwendungsempfehlungen zum Einsatz in der Behandlung depressiver Störungen

Anhand von mehreren Studien konnte mittlerweile eine positive Wirkung des NMDA-Antagonisten Ketamin bei therapieresistenten depressiven Störungen aufgezeigt werden, so dass die intervenöse Gabe des seit den 1970er Jahren zugelassenen Anästhetikums/Analgetikums in subanästhetischen Dosen zunehmend in der antidepressiven Behandlung eingesetzt wird (siehe Kap. 1.2 und Kap. 1.4.2. des Kompendiums). In Anbetracht des zunehmenden off-label Gebrauchs von Ketamin in psychiatrischen Indikationen, eines vermehrten Medieninteresses und zunehmender Patientenanfragen nach einer Ketaminbehandlung veröffentlichte die American Psychiatric Association (APA) kürzlich eine Übersicht zur aktuellen Datenlage sowie Anwendungsempfehlungen zum Einsatz von Ketamin in der Behandlung depressiver Störungen [1]. Weiterlesen

Statine – neue Hinweise auf mögliche positive Effekte bei depressiven Störungen

In Bezug auf die Pathogenese depressiver Störungen mehren sich Hinweise auf eine Beteiligung inflammatorischer Prozesse und einer hierdurch gestörten neuronalen Homöostase, zumindest in einer Untergruppe von depressiven Patienten („Neuroinflammatorische Hypothese der Depression“) [1]. In diesem Zusammenhang wird auch eine antidepressive Wirkung von Substanzen, denen antiinflammatorische/ immunmodulierende Eigenschaften zugeschrieben werden wie beispielsweise Acetylsalicylsäure, das Tetrazyklin Minocyclin, aber auch Statine diskutiert (s.auch Kap. 1.2. des Kompendiums der Psychiatrischen Pharmakotherapie, 11. A). Weiterlesen

Milnacipran – auch in Deutschland als Antidepressivum erhältlich

Der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) Milnacipran ist in Deutschland seit März 2016 zugelassen, in Österreich erfolgte die Zulassung bereits 1998. Als Antidepressivum ist Milnacipran in über 40 Ländern zugelassen, darunter Frankreich, Russland, Japan und Finnland, aber nicht in der Schweiz. Seit August 2016 ist Milnacipran zur Behandlung der Major Depression von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattungsfähig. In der Indikation Fibromyalgie-Syndrom (FMS) ist Milnacipran seit 2009 in den USA zugelassen (Palmer RH et al, 2010).
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SSRI – Neue Dosis-Wirkungsbeziehung

Bei SSRI ist ein verbesserter Therapieerfolg durch Dosiserhöhungen innerhalb des empfohlenen Dosisbereiches bei der Behandlung der Major Depression bislang nicht angenommen worden. Höhere Dosierungen als die niedrigste wirksame Dosis schienen anhand früherer Studienergebnisse bei fehlendem Wirksamkeitsvorteil hingegen einzig mit vermehrten Nebenwirkungen assoziiert zu sein [1]. Entsprechend wird auch in der 2015 aktualisierten S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ für SSRI bei initial unzureichender Response von einer Anhebung der Dosierung in Abhängigkeit von Verträglichkeit und den Anwendungsempfehlungen im Hinblick auf die hier fehlende Dosis-Wirkungs-Beziehung und Nachteilen in Bezug auf ein möglicherweise erhöhtes Nebenwirkungsprofil abgeraten [2]. Weiterlesen

Vortioxetin – Zusatznutzen vom Gemeinsamen Bundesausschuss nicht anerkannt

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in seiner Sitzung am 15. Oktober 2015 beschlossen, den Zusatznutzen des seit Mai 2015 in Deutschland erhältlichen Antidepressivums Vortioxetin (Brintellix®) [1, 2] nicht anzuerkennen [3]. Damit folgt der G-BA der Einschätzung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), welches vom G-BA mit der Nutzenbewertung beauftragt worden war und seinen Bericht im August 2015 veröffentlicht hatte [4]. Als „zweckmäßige Vergleichstherapie“ wurde hierbei für leichte depressive Episoden ein „beobachtendes Abwarten“, für mittelgradige und schwere depressive Episoden eine Behandlung „mit einem Antidepressivum aus der Wirkstoffgruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)“ angenommen, ein Zusatznutzen sei hierbei nach Einschätzung des G-BA und des IQWiG für Vortioxetin nicht belegt. Weiterlesen

Antidepressiva – Neue Ergebnisse zu Vorteilen einer Kombination aus Psychotherapie und Pharmakotherapie in der Behandlung depressiver Episoden

Seit langem wird eine Kombination aus Psychotherapie und Pharmakotherapie als vorteilhaft in der Behandlung depressiver Episode angesehen. In einer aktuellen, groß angelegten, multizentrischen Studie der Arbeitsgruppe von Hollon et al. (1) wurde die Wirksamkeit einer Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) und Pharmakotherapie im Vergleich zu einer alleinigen Pharmakotherapie bei depressiven Patienten nochmals untersucht. Weiterlesen

Antidepressiva – Blutungsrisiko: Update 2014

Bereits seit längerem ist bekannt, dass es auf aufgrund einer Thrombozytenfunktionsstörung mit verminderter Aggregationsfähigkeit unter Antidepressiva mit Hemmung der Serotoninwiederaufnahme (SSRI, SNRI oder SRI) zum Auftreten einer verlängerten Blutungszeit und/oder Anzeichen einer Blutung kommen kann. In Bezug auf gastrointestinale (GI) Blutungen zeigt sich unter Antidepressiva mit Hemmung der Serotoninwiederaufnahme dabei ein erhöhtes Risiko vergleichbar demjenigen unter einer Behandlung mit Thrombozytenaggregationshemmern. Werden gleichzeitig gastrotoxische (NSAID) und/oder die Thrombozytenfunktion beeinflussenden Substanzen verordnet, steigt das Risiko für gastrointestinale Blutungen überadditiv an (s. Abschn. 1.6.4, Kompendium 9. Auflage).
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Vortioxetin – EU-Zulassung als neues Antidepressivum

Im Dezember 2013 erteilte die Europäische Kommission eine Genehmigung für das Inverkehrbringen des Antidepressivums Vortioxetin zur Behandlung der Major Depression. Zuvor hatte im September 2013 die amerikanische Zulassungsbehörde FDA für Vortioxetin eine Zulassung in dieser Indikation erteilt. Vortioxetin wird unter dem Handelsnamen „Brintellix“ (Lundbeck) nach Abschluss von Diskussionen um die Erstattungsfähigkeit und Preisfestsetzung vermutlich ab der zweiten Jahreshälfte 2014 in 5, 10, 15 und 20 mg Tabletten sowie als Tropfen zum Einnehmen (20 mg/ml) erhältlich sein [1].
Die Zulassung basiert auf Daten aus 12 RCT (einschließlich einer RCT bei älteren Patienten > 65 Jahren [2]), von denen sich bei 9 RCT Vortioxetin (in mindestens einer der untersuchten Dosierungen) Plazebo signifikant überlegen zeigte [1, 2-5, 12]. In einer 12-wöchigen doppelblinden Vergleichsstudie gegenüber Agomelatin 25-50 mg/d zeigte sich Vortioxetin Agomelatin überlegen (Study 14178A; [1]). In einer Studie zur Erhaltungstherapie und Rezidivprophylaxe über 24-64 Wochen zeigte Vortioxetin signifikante Vorteile im Vergleich zu Plazebo [6, 7].
Vortioxetin wurde auch bei der generalisierten Angststörung (GAS) geprüft, hier zeigte sich allerdings in 3von 4 publizierten RCT kein signifikanter Vorteil für Vortioxetin im Vergleich zu Plazebo [8-11].
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Tianeptin – als Antidepressivum jetzt auch in Deutschland verfügbar

Tianeptin, das als Antidepressivum bereits seit 1988 in Frankreich und seit 1999 auch in Österreich unter dem Handelsnamen Stablon® (Servier) zugelassen ist, ist seit November 2012 auch in Deutschland erhältlich und wird von neuraxpharm unter dem Handelsnamen Tianeurax® vertrieben. Strukturchemisch stellt Tianeptin ein trizyklisches Antidepressivum dar; der eigentliche pharmakodynamische Wirkmechanismus allerdings ist auch heute noch unklar. Weiterlesen

Agomelatin – neue Vorsichtsmaßnahmen

Die Firma Servier weist aufgrund einer Überprüfung der Daten zu Transaminasenerhöhungen unter dem Antidepressivum Agomelatin (Valdoxan®) in klinischen Studien und nach Markteinführung durch den Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA (CHMP) in einem Informationsbrief nochmals auf die Notwendigkeit von Leberfunktionstests und das Risiko von Leberschädigungen hin. Änderungen der Produktinformation ergaben sich im Hinblick auf die Notwendigkeit, Leberfunktionstests auch nach Dosissteigerung durchzuführen. Weiterlesen