Quetiapin – Zulassung als add-on zu Antidepressiva zur Augmentationsbehandlung bei Episoden einer Major Depression

Quetiapin hat in seiner retardierten Darreichungsform (Seroquel prolong®) im Oktober 2010 als erstes atypisches Antipsychotikum (AAP) in Europa eine Erweiterung der Zulassung in der Behandlung der unipolaren Depression erhalten. Die Zulassung bezieht sich dabei auf eine Gabe als add-on zu Antidepressiva zur Behandlung depressiver Erkrankungen (Episoden einer Major Depression) als Zusatztherapie bei Patienten, die unzureichend auf die Monotherapie mit einem Antidepressivum angesprochen haben. Der empfohlene und zugelassene Dosisbereich in dieser Indikation beträgt 150-300 mg/Tag.

 

Neben der jetzt neuen Zulassung als add-on zu Antidepressiva im Rahmen einer Augmentationsbehandlung unipolar depressiver Episoden besteht für Quetiapin als Monotherapie eine Zulassung zur Behandlung der Schizophrenie (inklusive der Prävention eines Rückfalls) sowie eine Zulassung zur Behandlung von bipolaren Störungen bei mäßigen bis schweren manischen Episoden, schweren depressiven Episoden sowie zur Phasenprophylaxe bei Patienten, deren manische oder depressive Episode auf Quetiapin angesprochen hat.

 

Die Entscheidung des Ausschusses für Humanarzneimittel (Committee for Medicinal Products for Human Use, CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zur Zulassungserweiterung beruht auf Daten aus zwei RCT an insgesamt 939 Patienten mit einer Major Depression, die zuvor eine unzureichende Response auf eine Monotherapie mit einem Antidepressivum gezeigt hatten (Bauer et al, J Clin Psychiatry 2009; 70:540; El-Khalili et al, Int J Neuropsychopharmacol 2010; 13:917). Die zusätzliche Gabe von Quetiapin in einer Dosierung von 150 bzw. 300 mg/Tag unter Fortführung der vorbestehenden antidepressiven Behandlung zeigte sich einer Zugabe von Placebo signifikant überlegen. Die beobachteten unerwünschten Nebenwirkungen entsprachen dem aus anderen Indikationen bekannten Nebenwirkungsprofil von Quetiapin; am häufigsten fanden sich Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Müdigkeit, Schwindel und Obstipation. Unter Quetiapin zeigte sich im Vergleich zu Placebo signifikant häufiger eine relevante Gewichtszunahme sowie ein Anstieg der Gesamtcholesterin-, LDL-Cholesterin- und Triglyceridwerte.

 

Klinische Konsequenzen

 

Etwa 60% der Patienten profitieren klinisch nicht in ausreichendem Maße von einem ersten Therapieversuch mit einem Antidepressivum. Mögliche Strategien in der Behandlung von Episoden einer Major Depression, welche eine unzureichende Response unter einer Monotherapie mit einem Antidepressivum zeigen, umfassen u.a. einen Wechsel des Antidepressivums, eine Kombination zweier Antidepressiva mit unterschiedlichen Wirkprofilen oder Augmentationsstrategien (vgl. Kap. 1.12. des Kompendiums). Eine Augmentation mit einem AAP ist eine sinnvolle und wirksame Strategie bei therapieresistenter depressiver Episode. Mit der Zulassung von Quetiapin als add-on zu einem Antidepressivum bei unzureichender Response unter einer Monotherapie mit einem Antidepressivum kann nun eine Augmentation mit einem AAP innerhalb des Zulassungsbereichs erfolgen.

 

Ungeklärt ist zurzeit die Frage, über welchen Zeitraum die Gabe von Quetiapin nach einer Augmentation erfolgen sollte, ob AAP auch in der Erhaltungstherapie bzw. Langzeittherapie der Depression wirksam sind und schließlich ob sich dass Nebenwirkungsprofil von Quetiapin insbesondere in der Langzeittherapie bei Episoden einer Major Depression ähnlich wie bei schizophrenen Störungen verhält.

 

 

Francesca Regen, Berlin

Otto Benkert, Mainz

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