Antidepressiva – Langzeitstudie zum Zusammenhang zwischen Depression, akutem Koronarsyndrom und Langzeitmortalität

In unseren News vom 19. November 2007 sowie vom 24. November 2008 haben wir uns bereits mit dem Thema der depressiven Komorbidität bei koronarer Herzerkrankung (KHK) und ihrer Behandlung beschäftigt. Zuletzt hatten wir dabei auf ihre prognoserelevante Bedeutung und damit Notwendigkeit der entsprechenden psychiatrischen Diagnostik hingewiesen.

Ergebnisse aus einem Langzeit-Follow-up der SADHART-Studie belegen nun erneut die deletäre Wirkung depressiver Syndrome auf die kardiale Prognose, hier nach akutem Koronarsyndrom (ACS), also bei der instabilen KHK.

Im Rahmen des placebokontrollierten Sertraline Antidepressant Heart Attack Randomized Trial (SADHART) wurde die Sicherheit und Effektivität von Sertralin in der antidepressiven Therapie nach ACS gezeigt, v. a. wenn eine schwere Major Depression (MD) bzw. ein rezidivierendes depressives Syndrom vorlag (Glassman et al, JAMA 2002, 288:701). Die Autoren der SADHART-Studie haben jetzt Daten aus einem 7-Jahres-Follow up von 361 Patienten publiziert (Glassman et al, Arch Gen Psych 2009, 66:1022).

Es wurde gezeigt, dass fehlende Besserung der depressiven Symptomatik während der 24-wöchigen Behandlungsphase mit einer Verdoppelung der Mortalität nach 7 Jahren einher ging. Die entsprechend umgekehrte Senkung der Mortalität bei den ehemaligen Therapierespondern war unabhängig davon, ob mit Verum oder Placebo therapiert worden war.

Der zweite wichtige Befund dieser Follow up-Analyse ist, dass eine schwere initiale Ausprägung der MD (Hamilton-Score ³ 18) mit einer Verdoppelung der Mortalität im Beobachtungszeitraum assoziiert war. Der Zeitpunkt der Manifestation der MD (vor oder nach dem Koronarereignis) hatte keinen Einfluss auf die Langzeitmortalität.

Klinische Konsequenzen:

-       Die Ergebnisse unterstreichen einmal mehr, dass Erkennen und Behandeln einer Depression bei KHK und insbesondere im Gefolge eines ACS von hoher Wichtigkeit sind.

-       Es ergeben sich nun zum ersten Mal Hinweise, dass initiales antidepressives Therapieansprechen zu einer Senkung der Langzeitmortalität führen kann. Im Gegensatz zu früheren Annahmen ist für die Mortalitätsprognose unbedeutsam, ob die Depression zum Zeitpunkt des ACS bereits besteht oder sich erst in seinem Gefolge – z. B. reaktiv – entwickelt.

-       Zwar ist die Effektivität nur von Sertralin bei der SADHART-Studie v. a. bei schwerer MD gezeigt worden, aufgrund der Anwendungssicherheit ist jedoch ein Einsatz von SSRI  auch bei leichteren Ausprägungen zu erwägen. Bei der Anwendung von SSRI gelten allerdings auch weiterhin die bekannten Vorsichtsmaßnahmen (s. Kompendium 8. Auflage, S. 15/16).

 

Christian Lange-Asschenfeldt, Düsseldorf

Otto Benkert, Mainz

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