Heidelberg, 2. März, 2009

Olanzapin - Zulassung eines Olanzapindepot-Präparates

Olanzapin (ZYPREXA®)Seit Ende 2008 hat die Fa. Lilly das Patent für ZYPREXA® (Olanzapin oral) zurück erlangt. Daraufhin wurden alle Generika mit dem Wirkstoff Olanzapin wieder vom Markt genommen.


Olanzapinpamoat (ZYPADHERA®)Ebenfalls seit Ende 2008 wurde das Olanzapindepot-Präparat (Olanzapinpamoat, Handelsname ZYPADHERA®) in Europa zur Erhaltungstherapie bei erwachsenen Patienten (18-65 Jahre) mit Schizophrenie, die während einer akuten Behandlung hinreichend mit oralem Olanzapin stabilisiert wurden, für die tiefe intraglutäale Injektion zugelassen (Dosierung 150-210mg / 2 Wochen, 300-405mg / 4 Wochen) mit folgenden Umstellungsvorschlägen:
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Pharmakodynamik und Wirksamkeit:

Die Pharmakodynamik entspricht bei demselben Wirkstoff der des oralen Olanzapins (vgl. Kompendium). Zum Wirksamkeitsnachweis liegen 2 randomisierte, doppelblinde Wirksamkeitsstudien vor (über 8 bzw. 24 Wochen, mittleres Alter der Patienten etwa 40 J).
Pharmakokinetik und Verträglichkeit:

Unmittelbar nach Injektion von Olanzapinpamoat beginnt die langsame Auflösung des Salzes im Muskelgewebe und sorgt für eine langsame kontinuierliche Freisetzung von Olanzapin über mehr als 4 Wochen. Die Freisetzung nimmt innerhalb von 8-12 Wochen nach und nach ab. Eine zusätzliche Gabe von oralen Antipsychotika zu Beginn der Depot-Behandlung erscheint nicht erforderlich.
Die Olanzapin-Halbwertszeit nach ZYPADHERA®-Injektion beträgt 30 Tage verglichen mit 30 Stunden nach oraler Anwendung. Resorption und Ausscheidung sind ungefähr sechs bis acht Monate nach der letzen Injektion abgeschlossen. Nach wiederholten i.m. Injektionen mit ZYPADHERA® 150 bis 300mg/2 Wochen (steady state) lag die10te bis 90te Perzentile der Plasmakonzentrationen von Olanzapin zwischen 4,2 und 73,2 ng/ml.

Das Profil der unerwünschten Wirkungen ist das gleiche wie bei oralem Olanzapin, einschließlich Sedierung, einer vergleichbaren Gewichtszunahme und dem Anstieg von Serum-Cholesterin und Triglyceriden.
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen an der Injektionsstelle (Blutung, Sensibilitätsstörungen etc.) traten zudem bei insgesamt 8 % der Patienten auf, inklusive Schmerzen an der Injektionsstelle bei 5,5 %.

Es besteht allerdings das Risiko für das Auftreten eines so genannten Postinjektions-Syndroms, vermutlich durch unabsichtliche intravasale Applikation bei etwa 1,5 % der Patienten (0,1% der Injektionen) mit der Folge von Überdosierungserscheinungen (Sedierung bis zum Koma, delirante Symptomatik, extrapyramidal motorische Symptome, Sprachstörungen, Ataxie, Aggression, Schwindel, Schwäche, Hypertension, Krampfanfälle u. a.). Die initialen Anzeichen und Symptome der meisten seither beobachteten Ereignisse traten innerhalb 1 Stunde nach der Injektion auf. In allen Fällen wurde ein vollständiges Abklingen der Symptome innerhalb von 24 – 72 Std nach der Injektion berichtet. Die Ereignisse traten selten (<1 von 1000 Injektionen) zwischen 1 und 3 Std und sehr selten (<1 von 10.000 Injektionen) nach 3 Stunden auf.
Eine Vorhersage einer solchen Komplikation ist derzeit nicht möglich, daher sind folgende Vorsichts- und Überwachungsmaßnahmen erforderlich:
- Die Patienten müssen vor der Anwendung von ZYPADHERA® zuerst mit oralem Olanzapin behandelt werden, um Verträglichkeit und Ansprechen festzustellen.
- Bei jeder Gabe von ZYPADHERA® müssen die Patienten immer über dieses potenzielle Risiko und die Notwendigkeit einer Nachbeobachtung von 3 Std in einer medizinischen Einrichtung informiert werden.
- Die Injektion muss in einer Einrichtung appliziert werden, in der eine Überwachung nach der Injektion und Zugang zu geeigneter medizinischer Behandlung im Falle einer Überdosierung sichergestellt werden kann.
- Bevor eine Injektion verabreicht wird, muss das medizinische Fachpersonal feststellen, dass der Patient sich später nicht alleine zu seinem Zielort begibt.
- Nach jeder Injektion müssen die Patienten in einer medizinischen Einrichtung von angemessen qualifiziertem Personal für mindestens 3 Std auf Anzeichen und Symptome einer Olanzapin-Überdosierung beobachtet werden.
- Es muss sichergestellt werden, dass der Patient wach, orientiert und frei von jeglichen Zeichen und Symptomen einer Überdosierung ist.
- Wenn eine Überdosierung vermutet wird, muss eine eingehende medizinische Überwachung und Kontrolle weitergeführt werden bis eine Untersuchung bestätigt, dass die Anzeichen und Symptome abgeklungen sind
- Ein begleiteter Rückweg muss gewährleistet werden.
- Die Patienten müssen nachdrücklich darauf hingewiesen werden für den Rest des Tages auf Symptome einer Überdosierung infolge einer Injektionsnebenwirkung zu achten, und in der Lage zu sein, wenn nötig Hilfe zu erhalten sowie kein Fahrzeug zu führen oder Maschinen zu bedienen.
- Wenn parenterale Benzodiazepine für die Behandlung von Nebenwirkungen nach der Injektion erforderlich sind, wird ein sorgfältiges Abwägen der klinischen Situation bezüglich einer übermäßigen Sedierung und kardiorespiratorischen Depression empfohlen.
Bewertung:

Die Einführung eines zweiten atypischen Depotantipsychotikums (nach RISPERDAL CONSTA®) – auch für Injektionsintervalle von 4 Wochen – ist vor allem in Hinblick auf die Therapieadhärenz als prinzipiell positiv zu werten. Aufgrund der mit dem unvorhersehbaren Auftreten von Postinjektions-Syndromen verbundenen Risiken und zahlreichen Überwachungs- und Vorsichtsmaßnahmen dürfte Olanzapinpamoat derzeit jedoch besonderen Konstellationen vorbehalten bleiben. Die mit einer Injektion assoziierten Nebenwirkungen unter ZYPADHERA® sind bisher unter RISPERDAL CONSTA® (Microspheres) nicht vergleichbar aufgetreten.
Matthias J. Müller, Gießen und Marburg
Otto Benkert, Mainz


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