Antidementiva – Aktueller Stand der Therapieforschung bei der Alzheimer-Demenz

Die Alzheimer-Demenz (AD) ist eine langsam progrediente neurode¬generative Erkrankung mit kognitiven Störungen als Leitsymptom. Neuropathologisch ist sie charakterisiert durch das Vorhandensein von Tauprotein-haltigen Neurofibrillen und die extrazelluläre Akkumulation von -Amyloidprotein (A1-42) in Hirnparenchym und zerebralen Blutge¬fäßen, welche über verschiedene Mechanismen (z. B. Neuroinflammation, oxidativer Stress u. a.) die Neuro-degeneration induzieren. A-Aggregate entstehen in zunehmender Komplexität zunächst als Oligomere, sodann als Fibrillen und später Plaques und resul¬tieren aus einer fehlerhaften Spaltung des in Gehirnzellen verbreiteten membran¬ständigen Amyloid-Precursor-Proteins (APP). Weiterlesen

Retardiertes Lithium – Einnahme am Abend und Blutspiegelmessung am Morgen

Lithium ist ein bewährtes Arzneimittel zur Behandlung manisch-depressiver Episoden. Es ist wirksam für die Akut- und Erhaltungstherapie und zur Rückfallprophylaxe. Es besitzt allerdings eine enge therapeutische Breite (Baird-Gunning et al. 2017, Hayes et al. 2016). Daher ist die Überwachung der Arzneistoffkonzentration im Blut, d.h. Therapeutisches Drug Monitoring (TDM), bei einer Behandlung mit Lithium obligat (Hiemke et al. 2018). Die Blutspiegel (die Begriffe „Blutspiegel“, „Plasmakonzentration“ oder „Serumkonzentrationen“ werden synonym gebraucht) von Lithium schwanken intra- und interindividuell erheblich, vor allem bei veränderter Nierenfunktion ist immer mit einer Veränderung der Lithiumkonzentration zu rechnen. Um eine effektive Wirkung bei möglichst guter Verträglichkeit zu erzielen, sollten die Konzentrationen von Lithium zwischen 0,5 und 1,2 mmol/l, möglichst zwischen 0,5 und 0,8mmol/l, liegen. Bei einer Konzentration unter 0,5 mmol/l ist mit keiner therapeutischen Wirkung zu rechnen. Über 1,2 mmol/l ist Lithium potenziell toxisch, 1,5 mmol/l dürfen nicht überschritten werden (Malhi et al. 2016). Bei Alterspatienten wird als maximale Konzentration 0,6 mmol/L empfohlen (Sun et al. 2018).
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Cannabis – Potential und Risiken. Ergebnisse einer wissenschaftlichen Analyse (D. Hermann, F. Kiefer, ZI Mannheim)

Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit wurden die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Risiken des Cannabis- Freizeitkonsums und zu dem Potential von Cannabisarzneimitteln in einem systematischen Review zusammengefasst (1). Die Ergebnisse werden in einem Buch publiziert, das sich noch im Druck befindet (2). Ein Kurzbericht wurde bereits am 30.09.2017 vom BMG veröffentlicht. Ziel war eine objektive, valide und an der besten wissenschaftlichen Evidenz orientierte Bewertung der in den seit 2006 publizierten Daten. Die Literaturrecherche beinhaltete eine systematische Suche in den Datenbanken PubMed, Medline, PsycINFO, EMBASE und der Cochrane Data Base of Systematic Reviews. Eingeschlossene Arbeiten wurden auf ihre methodische Qualität geprüft, Mängel in der Güte und Risiken für einen Bias analysiert und ein Evidenzgrad für jede Studie vergeben. Basierend auf der Studienanzahl, Qualität und Konsistenz der Ergebnisse, wurde eine Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse nach CERQual vorgenommen. Bei der Datenanalyse wurden geschlechts- und altersspezifische Effekte dezidiert mituntersucht.
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Antidepressiva – Update zum Risiko intrakranieller Blutungen

Bereits seit längerem ist bekannt, dass es aufgrund einer Thrombozytenfunktionsstörung mit verminderter Aggregationsfähigkeit unter Antidepressiva mit Hemmung der Serotoninwiederaufnahme zum Auftreten einer verlängerten Blutungszeit und/oder Anzeichen einer Blutung kommen kann (s. Abschn. 1.5.4 im Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie).
In Bezug auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen ergab eine neue retrospektive Fall-Kontroll-Studie, die 2017 in JAMA Neurology veröffentlicht wurde, wiederum ein erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen in Abhängigkeit der Affinität der Antidepressiva zum Serotonintransporter [1]. Ein erhöhtes Risiko zeigte sich hier für Antidepressiva mit starker Affinität zum Serotonintransporter als Ausdruck einer ausgeprägten Hemmung der Serotoninwiederaufnahme im Vergleich zu Antidepressiva mit niedriger Affinität zum Serotonintransporter, insbesondere während des ersten Monats der Einnahme und im Fall einer Kombination mit oralen Antikoagulanzien. Weiterlesen

Aripiprazol – FDA-Zulassung eines Sensorsystems für die Tabletten-Einnahme

Die FDA hat im November 2017 das Einnahmesystem (digital ingestion tracking system) „Abilify MyCite” bei Patienten mit Schizophrenie, Bipolarer Störung und als add-on bei schweren Depressionen zugelassen (zugelassene Indikationsbereiche für Aripiprazol in den USA) [1]. Aripiprazol-Tabletten ( Otsuka) sind dabei mit einem Sensorsystem (Proteus Digital Health, enthält u.a. Kupfer und Magnesium) versehen, das nach Kontakt mit Magensäure digitale Signale sendet, die von einem Sensor, der in einem Pflaster auf der Haut in Rippennähe angebracht wird und wöchentlich gewechselt werden muss, empfangen werden. Die Signale können von einer App empfangen und ggf. an eine Cloud gesendet werden. Die Verordnung von Abilify McCite ist mit der Ausgabe und Erklärung einer ausführlichen Medikationsberatung verbunden [1].
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Clozapin – Geänderte Herstellervorgaben bei der Behandlung

Die Voraussetzungen zur Verordnung von Clozapin haben sich in Bezug auf das Blutbild im Vergleich zu den Angaben in der 11. Auflage des Kompendiums für Psychiatrische Pharmakotherapie, S. 392, verschärft. Es wird jetzt zu allen Prüfzeiten ein Differential-Blutbild gefordert. Abhängig von der Gesamtzahl der Leukozyten und der neutrophilen Granulozyten wird das weitere Vorgehen vorgegeben.
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ADHS-Medikation – Reduktion des Unfallrisikos bei Patienten mit ADHS

In vielen Studien konnte ein erhöhtes Unfallrisiko bei Patienten mit ADHS nachgewiesen werden. Ob und um welches Ausmaß die ADHS-Medikation dieses Risiko senken kann, wird seit geraumer Zeit diskutiert.

In einer Studie, bei der auf die Datenbank MarketScan mit Angaben von 100 Versicherern und knapp 150 Millionen US-Versicherten zurück gegriffen wurde, befanden sich ca. 2,3 Millionen Menschen im Alter von mindestens 18 Jahren, die entweder eine ADHS-Diagnose hatten oder ADHS-Medikamente erhielten (Chang et al., 2017).
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Ketamin – American Psychiatric Association (APA) veröffentlicht Anwendungsempfehlungen zum Einsatz in der Behandlung depressiver Störungen

Anhand von mehreren Studien konnte mittlerweile eine positive Wirkung des NMDA-Antagonisten Ketamin bei therapieresistenten depressiven Störungen aufgezeigt werden, so dass die intervenöse Gabe des seit den 1970er Jahren zugelassenen Anästhetikums/Analgetikums in subanästhetischen Dosen zunehmend in der antidepressiven Behandlung eingesetzt wird (siehe Kap. 1.2 und Kap. 1.4.2. des Kompendiums). In Anbetracht des zunehmenden off-label Gebrauchs von Ketamin in psychiatrischen Indikationen, eines vermehrten Medieninteresses und zunehmender Patientenanfragen nach einer Ketaminbehandlung veröffentlichte die American Psychiatric Association (APA) kürzlich eine Übersicht zur aktuellen Datenlage sowie Anwendungsempfehlungen zum Einsatz von Ketamin in der Behandlung depressiver Störungen [1]. Weiterlesen

Valbenazin – FDA-Zulassung zur Behandlung tardiver Dyskinesien

Die FDA hat im April 2017 in einem beschleunigten Zulassungsverfahren Valbenazin zur Behandlung von Spätdyskinesien (tardive Dyskinesien; TD) zugelassen.

TD treten v.a. bei der langfristigen Behandlung mit konventionellen (hochpotenten) Antipsychotika auf. Allerdings können auch Substanzen wie Metoclopramid (Antiemetikum) diese unerwünschte Wirkung (UAW) zeigen, die wahrscheinlich auf einer Dopamin-D2-Rezeptorübersensitivität und einer erhöhten Rezeptordichte nach anhaltender Blockade beruht. Risikofaktoren für TD sind Dosis und Dauer der Behandlung mit D2-blockierenden Substanzen, weibliches Geschlecht und ein höheres Lebensalter. Weiterlesen

Oxytocin – Metaanalyse zur Behandlung der Autismus-Spektrum-Störung

Die Autismus-Spektrum-Störung (autism spectrum disorder = ASD) nach DSM-5 ist gekennzeichnet durch eine qualitative Beeinträchtigung der sozialen Kommunikation und durch restriktive und repetitive Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten (restricted, repetitive behaviors = RRB). Zur Spezifizierung muss eine Intelligenzminderung bzw. eine Sprachentwicklungsverzögerung differenziert werden. Die Kernsymptome zeigen eine entwicklungspsychologische Variabilität und erhebliche Unterschiede im Ausprägungsgrad, bleiben aber bis in das Erwachsenenalter als persistierende Symptomatik erhalten.
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