Valbenazin – FDA-Zulassung zur Behandlung tardiver Dyskinesien

Die FDA hat im April 2017 in einem beschleunigten Zulassungsverfahren Valbenazin zur Behandlung von Spätdyskinesien (tardive Dyskinesien; TD) zugelassen.

TD treten v.a. bei der langfristigen Behandlung mit konventionellen (hochpotenten) Antipsychotika auf. Allerdings können auch Substanzen wie Metoclopramid (Antiemetikum) diese unerwünschte Wirkung (UAW) zeigen, die wahrscheinlich auf einer Dopamin-D2-Rezeptorübersensitivität und einer erhöhten Rezeptordichte nach anhaltender Blockade beruht. Risikofaktoren für TD sind Dosis und Dauer der Behandlung mit D2-blockierenden Substanzen, weibliches Geschlecht und ein höheres Lebensalter. Weiterlesen

Oxytocin – Metaanalyse zur Behandlung der Autismus-Spektrum-Störung

Die Autismus-Spektrum-Störung (autism spectrum disorder = ASD) nach DSM-5 ist gekennzeichnet durch eine qualitative Beeinträchtigung der sozialen Kommunikation und durch restriktive und repetitive Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten (restricted, repetitive behaviors = RRB). Zur Spezifizierung muss eine Intelligenzminderung bzw. eine Sprachentwicklungsverzögerung differenziert werden. Die Kernsymptome zeigen eine entwicklungspsychologische Variabilität und erhebliche Unterschiede im Ausprägungsgrad, bleiben aber bis in das Erwachsenenalter als persistierende Symptomatik erhalten.
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Liraglutid – Risikoreduktion für Folgeerkrankungen der Adipositas

Adipositas und ihre Begleiterkrankungen führen zu großem Leid bei den betroffenen Patienten und erzeugen große finanzielle Folgeschäden in den sozialen Sicherungssystemen. Zu den Begleiterkrankungen gehören u. a. arterielle Hypertonie, Typ 2-Diabetes, Erkrankungen des Herzens und der Leber sowie eine Reihe von Krebsarten. Diese Folgekrankheiten entstehen wahrscheinlich durch adipositasbedingte Veränderungen in der DNA-Methylierung, wie eine kürzlich in der Zeitschrift Nature publizierte Studie zeigen konnte [1]. Weiterlesen

Lithium – Aktuelle Befunde zur vermuteten Assoziation mit Tumo-ren ableitender Harnwege

Lithium und Valproat, nicht aber Carbamazepin, haben inhibitorische Effekte auf die Glykogen-Synthase-Kinase-3-β (GSK3-β), deren Überexpression zu einer vermehrten Apoptose führt. Hinweise, wonach Lithium durch eine Inhibition von GSK3- β in Zusammenhang mit der Entwicklung demenzieller Syndrome (GSK3- β scheint in der Pathogenese der Demenz eine Rolle zu spielen) in Verbindung steht, zeigten sich nicht. Vielmehr waren mit Lithium behandelte bipolare Patienten signifikant seltener dement (Gerhard et al 2015). Jedoch lässt die durch Lithium verursachte Inhibition von GSK3- β als einem Enzym, das in die Pathogenese verschiedener Krebsarten involviert ist, die Frage aufkommen, ob eine Assoziation zwischen einer Lithiumtherapie und Krebserkrankungen, vor allem Tumoren ableitender Harnwege besteht.
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Acetylcholinesterase¬inhibitoren und Memantin – Neue Übersicht zur Kombinationstherapie

Zur Basisbehandlung der Alzheimer-Demenz (AD) sind einerseits die Acetylcholinesteraseinhibitoren (AChEI) Donepezil, Galantamin und Rivastigmin (leichte und mittelschwere AD) und andererseits der NMDA-Antagonist Memantin (mittelschwere und schwere AD) zugelassen. Die Studienlage zur Kombinationstherapie dieser zwei Wirkprinzipien ist bisher als nicht eindeutig angesehen worden (siehe Kompendium News vom 29.8.14). Nach der aktuellen S3-Leitlinie „Demenzen“ kann eine „Add on“-Behandlung mit Memantin bei mit dem AChEI Donepezil behandelten Patienten bei schwerer AD erwogen werden [1] (siehe Kap. 6.4.1 des Kompendiums der Psychiatrischen Pharmakotherapie, 11. Auflage) Weiterlesen

Statine – neue Hinweise auf mögliche positive Effekte bei depressiven Störungen

In Bezug auf die Pathogenese depressiver Störungen mehren sich Hinweise auf eine Beteiligung inflammatorischer Prozesse und einer hierdurch gestörten neuronalen Homöostase, zumindest in einer Untergruppe von depressiven Patienten („Neuroinflammatorische Hypothese der Depression“) [1]. In diesem Zusammenhang wird auch eine antidepressive Wirkung von Substanzen, denen antiinflammatorische/ immunmodulierende Eigenschaften zugeschrieben werden wie beispielsweise Acetylsalicylsäure, das Tetrazyklin Minocyclin, aber auch Statine diskutiert (s.auch Kap. 1.2. des Kompendiums der Psychiatrischen Pharmakotherapie, 11. A). Weiterlesen

Quetiapin – Fallberichte von Kardiomyopathien

Ein gut dokumentierter, kürzlich publizierter Einzelfall spricht recht eindeutig für eine durch Quetiapin verursachte, medikamentös-toxische schwere Kardiomyopathie mit kardiogenem Schock im Verlauf einer etwa 4-monatigen Therapie mit Quetiapin 800mg/d bei einer 39-jährigen Patientin mit Psychose [1,2]. Sowohl ausführliche kardiale Normalbefunde vor Beginn der Therapie als auch die stationär durchgeführte präzise Differenzialdiagnostik und die weitgehende Restitution der kardiologischen Befunde unter Aripiprazol sprechen für einen kausalen Zusammenhang [1]. Weiterlesen

Medikamente zur Behandlung von Schlafstörungen – Zulassung von Pitolisant und Tasimelteon

Seit kurzem ist Pitolisant (Handelsname Wakix) als Medikament zur Behandlung der Narkolepsie mit und ohne Kataplexie in Deutschland zugelassen und erhältlich. Es handelt sich um einen inversen Agonisten am Histamin-H3-Rezeptor. Durch die Blockierung der Histamin-Autorezeptoren verstärkt Pitolisant die Aktivität histaminerger Neurone im Gehirn. Ferner wird die Ausschüttung von Acetylcholin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn erhöht (Lin JS et al. 2008); (Schwartz JC 2011).
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Milnacipran – auch in Deutschland als Antidepressivum erhältlich

Der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) Milnacipran ist in Deutschland seit März 2016 zugelassen, in Österreich erfolgte die Zulassung bereits 1998. Als Antidepressivum ist Milnacipran in über 40 Ländern zugelassen, darunter Frankreich, Russland, Japan und Finnland, aber nicht in der Schweiz. Seit August 2016 ist Milnacipran zur Behandlung der Major Depression von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattungsfähig. In der Indikation Fibromyalgie-Syndrom (FMS) ist Milnacipran seit 2009 in den USA zugelassen (Palmer RH et al, 2010).
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Adipositas – Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung in der Psychiatrie

Auch wenn die Adipositas nach ICD-10 und DSM-5 nicht als psychiatrische Erkrankung klassifiziert wird, mehrt sich die wissenschaftliche und klinische Evidenz dafür, dass es sich bei der Adipositas nicht nur um die Folge übermäßiger Nahrungsaufnahme, sondern auch um eine neurobiologische Erkrankung handelt.
Die neueste präklinische Forschung konnte beispielsweise im Tierversuch zeigen, dass das hypothalamische Enzym O-GlcNAc-Transferase in entscheidender Weise zum Sättigungsgefühl und zur Steuerung des Essverhaltens beiträgt. Mäuse, bei denen dieses Enzym ausgeschaltet wurde, begannen in der Folge, ihre Nahrungsaufnahme erheblich zu steigern, und nahmen schnell und übermäßig an Gewicht zu. Dieser Befund ist nicht nur ein wissenschaftlicher Erfolg, sondern er eröffnet mögliche zukünftige Perspektiven für die pharmakologische Behandlung der Adipositas. Weiterlesen