Quetiapin – Fallberichte von Kardiomyopathien

Ein gut dokumentierter, kürzlich publizierter Einzelfall spricht recht eindeutig für eine durch Quetiapin verursachte, medikamentös-toxische schwere Kardiomyopathie mit kardiogenem Schock im Verlauf einer etwa 4-monatigen Therapie mit Quetiapin 800mg/d bei einer 39-jährigen Patientin mit Psychose [1,2]. Sowohl ausführliche kardiale Normalbefunde vor Beginn der Therapie als auch die stationär durchgeführte präzise Differenzialdiagnostik und die weitgehende Restitution der kardiologischen Befunde unter Aripiprazol sprechen für einen kausalen Zusammenhang [1]. Weiterlesen

Medikamente zur Behandlung von Schlafstörungen – Zulassung von Pitolisant und Tasimelteon

Seit kurzem ist Pitolisant (Handelsname Wakix) als Medikament zur Behandlung der Narkolepsie mit und ohne Kataplexie in Deutschland zugelassen und erhältlich. Es handelt sich um einen inversen Agonisten am Histamin-H3-Rezeptor. Durch die Blockierung der Histamin-Autorezeptoren verstärkt Pitolisant die Aktivität histaminerger Neurone im Gehirn. Ferner wird die Ausschüttung von Acetylcholin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn erhöht (Lin JS et al. 2008); (Schwartz JC 2011).
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Milnacipran – auch in Deutschland als Antidepressivum erhältlich

Der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) Milnacipran ist in Deutschland seit März 2016 zugelassen, in Österreich erfolgte die Zulassung bereits 1998. Als Antidepressivum ist Milnacipran in über 40 Ländern zugelassen, darunter Frankreich, Russland, Japan und Finnland, aber nicht in der Schweiz. Seit August 2016 ist Milnacipran zur Behandlung der Major Depression von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattungsfähig. In der Indikation Fibromyalgie-Syndrom (FMS) ist Milnacipran seit 2009 in den USA zugelassen (Palmer RH et al, 2010).
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Adipositas – Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung in der Psychiatrie

Auch wenn die Adipositas nach ICD-10 und DSM-5 nicht als psychiatrische Erkrankung klassifiziert wird, mehrt sich die wissenschaftliche und klinische Evidenz dafür, dass es sich bei der Adipositas nicht nur um die Folge übermäßiger Nahrungsaufnahme, sondern auch um eine neurobiologische Erkrankung handelt.
Die neueste präklinische Forschung konnte beispielsweise im Tierversuch zeigen, dass das hypothalamische Enzym O-GlcNAc-Transferase in entscheidender Weise zum Sättigungsgefühl und zur Steuerung des Essverhaltens beiträgt. Mäuse, bei denen dieses Enzym ausgeschaltet wurde, begannen in der Folge, ihre Nahrungsaufnahme erheblich zu steigern, und nahmen schnell und übermäßig an Gewicht zu. Dieser Befund ist nicht nur ein wissenschaftlicher Erfolg, sondern er eröffnet mögliche zukünftige Perspektiven für die pharmakologische Behandlung der Adipositas. Weiterlesen

Carbamazepin – Therapiesicherheit bei der Behandlung: HLA-Allele disponieren für UAWs

Mit einer Carbamazepin-Behandlung ist häufiger als bei den meisten anderen Medikamenten das Auftreten eines Stevens-Johnson-Syndroms (SJS) oder einer Toxischen Epidermalen Nekrolyse (TEN) als schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen bekannt.
Es liegen Daten vor, die darauf hinweisen, dass das Allel HLA-A*3101 bei Personen mit europäischer Abstammung sowie bei Japanern mit einem erhöhten Risiko von Carbamazepin-induzierten unerwünschten Arzneimittelwirkungen der Haut assoziiert ist (McCormack et al. 2011). Weiterlesen

SSRI – Neue Dosis-Wirkungsbeziehung

Bei SSRI ist ein verbesserter Therapieerfolg durch Dosiserhöhungen innerhalb des empfohlenen Dosisbereiches bei der Behandlung der Major Depression bislang nicht angenommen worden. Höhere Dosierungen als die niedrigste wirksame Dosis schienen anhand früherer Studienergebnisse bei fehlendem Wirksamkeitsvorteil hingegen einzig mit vermehrten Nebenwirkungen assoziiert zu sein [1]. Entsprechend wird auch in der 2015 aktualisierten S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ für SSRI bei initial unzureichender Response von einer Anhebung der Dosierung in Abhängigkeit von Verträglichkeit und den Anwendungsempfehlungen im Hinblick auf die hier fehlende Dosis-Wirkungs-Beziehung und Nachteilen in Bezug auf ein möglicherweise erhöhtes Nebenwirkungsprofil abgeraten [2]. Weiterlesen

Paliperidon und Aripiprazol – zwei neue Depotformulierungen von der FDA zugelassen

Paliperidonpalmitat als Dreimonats-Depotformulierung (PP3M)

Nach der Zulassung von Paliperidonpalmitat als 3-Monatsdepot-Formulierung (PP3M) durch die FDA (Juni 2015; Handelsname INVEGA TRINZA [1]) wurde von der Fa. Janssen ein Antrag auf Erweiterungszulassung auch in Europa (EMA) gestellt (geplanter Handelsname in Europa TREVICTA). Die Zulassung in Europa wird für den Sommer 2016 erwartet. Weiterlesen

Flibanserin (Addyi) – FDA-Zulassung zur Behandlung der Hypoactive Sexual Desire Disorder

Als erstes Medikament zur Behandlung von prämenopausalen Frauen mit sogenannter hypoaktiver Sexualfunktionsstörung (Hypoactive Sexual Desire Disorder, HSDD) erhielt Flibanserin (Addyi, Fa. Sprout Pharmaceuticals) 2015 die Zulassung der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA, nachdem ein Zulassungsantrag zweimal abgelehnt wurde (Joffe et al. 2015). Eine europäische Zulassung ist derzeit nicht beantragt. Weiterlesen

Guanfacin – Zulassung bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS

Die Retardformulierung von Guanfacin (Intuniv®) ist im Januar 2016 in Deutschland eingeführt worden. Dieses Präparat ist im Rahmen einer umfassenden therapeutischen Gesamtstrategie bei Kindern und Jugendlichen ab einem Alter von 6 Jahren mit ADHS zugelassen, wenn eine Behandlung mit Stimulanzien (Methylphenidat, Amphetamin) nicht in Frage kommt, unverträglich war oder sich als unwirksam erwiesen hat.
In den USA ist Guanfacin seit 2009, dort auch für Erwachsene, zugelassen, wobei es dort auch in Kombination mit einem Stimulanz angesetzt werden kann. Guanfacin ist nicht BtM-pflichtig. Weiterlesen

Levomepromazin und Asenapin – erhöhtes Risiko für QTc-Verlängerungen und mögliches Risiko für Torsades de Pointes (TdP)

Das konventionelle, niederpotente Antipsychotikum Levomepromazin (z.B. Neurocil), wurde zu einer Liste von Substanzen mit bekanntem TdP-Risiko hinzugefügt. Das neuere Antipsychotikum Asenapin (Sycrest), in Deutschland nur zur Behandlung mäßiger bis schwerer manischer Episoden einer Bipolar-I-Störung bei Erwachsenen zugelassen, wurde als Substanz mit QTc-verlängernder Wirkung und „möglichem TdP-Risiko“ eingestuft (https://www.crediblemeds.org/blog/changes-qtdrugs-lists-novdec-2015/). Weiterlesen