SSRI – neue Daten zeigen keine Effekte auf die Rehabilitationsergebnisse nach Schlaganfall

Depressive Symptome nach einem Schlaganfall treten häufig auf und sind mit schlechteren Rehabilitationsergebnissen und einer erhöhten Mortalität assoziiert (s. auch Kap. 1.4.1, S. 30 im Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie zur Post-Stroke-Depression). Nachdem vorherige RCT und Metaanalysen positive Effekte von SSRI auf die Rehabilitation nach Schlaganfall auch bei nicht depressiven Patienten gefunden hatten [1, 2], die auf neuroprotektive und die Neuroregeneration fördernde Eigenschaften von SSRI zurückgeführt wurden, konnten zwei kürzlich publizierte, große RCT keine positiven Effekte von Citalopram bzw. Fluoxetin auf das Rehabilitationsergebnis bei nicht depressiven Patienten mit akutem Schlaganfall aufzeigen [3, 4]. Weiterlesen

Benzodiazepine – Zunahme ambulanter Verordnung und assoziierter Todesfälle in den USA

Eine aktuelle Arbeit aus JAMA Network Open beschäftigt sich mit der ambulanten Verordnungshäufigkeit (nicht der – menge!) von Benzodiazepinen in den Vereinigten Staaten von Amerika [1]. Dabei wird auch nach den Indikationen und der verordnenden Ärztegruppen stratifiziert. Grundlage sind die Jahre 2003 bis 2015, fast 390.000 ambulante Visiten wurden bezüglich der Verordnung dichotom (Benzodiazepine ja/nein) in einem cross-sektionalen Design im Rahmen des National Ambulatory Medical Care Survey (NAMCS) evaluiert. Es handelt sich dabei um eine freiwillige Datenerhebung an einer repräsentativen Stichprobe aller niedergelassenen Ärzte in den USA. Weiterlesen

Valproat – Neue Anwendungseinschränkungen; Einführung eines Schwangerschaftsverhütungsprogramms

Wiederholt haben wir an dieser Stelle (vgl. News vom 13.04.2015) und zuletzt in der aktuellen 12. Auflage des Kompendiums der Psychiatrischen Pharmakotherapie dringend davor gewarnt, Valproat bei Frauen im gebärfähigen Alter anzuwenden. Bereits im Juli 2017 titelte ‚The Lancet‘ in dem Beitrag von B. Casassus „France bans sodium valproate use in case of pregnancy“ (Lancet, 2017 Jul 15;390(10091):217), dass in Frankreich per Erlass der nationalen Arzneimittelbehörde ANSM ab Juli der Einsatz von Valproat bei Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter ohne effektive Kontrazeption bei der Behandlung bipolarer Störungen kontraindiziert sei. Erste Hinweise auf die ausgeprägte Teratogenität von Valproat beim Menschen gab es schon 1982, als Robert & Guibaud in ‚The Lancet‘ über die Assoziation einer intrauterinen Valproat-Exposition und dem gehäuften Auftreten von Neuralrohrdefekten berichteten.
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Nortriptylin – wieder im Handel

Nachdem Lundbeck Nortripylin aus dem Handel genommen hatte kann jetzt wieder Nortriptylin von Glenmark verordnet werden. Da das Präparat zur Zeit der Herstellung der 12. Auflage des Kompendiums der Psychiatrischen Pharmakotherapie nicht verfügbar war, wurde auf die Darstellung verzichtet. Für die Leser der 12. Auflage des Kompendiums und der 5. Auflage des Pocket Guide wird hier nun die aktualisierte Fassung für Nortriptylin in die News eingestellt. Weiterlesen

Narkolepsie – Therapieperspektiven

Im Rahmen des Kongresses der European Sleep Research Society in Basel im September 2018 wurde in verschiedenen Beiträgen über neue Perspektiven in der Therapie der Narkolepsie berichtet.

Die Firma Jazz Pharmaceuticals hat mit Solriamfetol eine neue Substanz entwickelt, die für die Behandlung exzessiver Schläfrigkeit von Patienten mit Narkolepsie, aber auch mit obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom und mit Parkinson eingesetzt werden soll. Es handelt sich dabei um einen selektiven Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme Hemmer. Weiterlesen

Antidementiva – Aktueller Stand der Therapieforschung bei der Alzheimer-Demenz

Die Alzheimer-Demenz (AD) ist eine langsam progrediente neurode¬generative Erkrankung mit kognitiven Störungen als Leitsymptom. Neuropathologisch ist sie charakterisiert durch das Vorhandensein von Tauprotein-haltigen Neurofibrillen und die extrazelluläre Akkumulation von -Amyloidprotein (A1-42) in Hirnparenchym und zerebralen Blutge¬fäßen, welche über verschiedene Mechanismen (z. B. Neuroinflammation, oxidativer Stress u. a.) die Neuro-degeneration induzieren. A-Aggregate entstehen in zunehmender Komplexität zunächst als Oligomere, sodann als Fibrillen und später Plaques und resul¬tieren aus einer fehlerhaften Spaltung des in Gehirnzellen verbreiteten membran¬ständigen Amyloid-Precursor-Proteins (APP). Weiterlesen

Retardiertes Lithium – Einnahme am Abend und Blutspiegelmessung am Morgen

Lithium ist ein bewährtes Arzneimittel zur Behandlung manisch-depressiver Episoden. Es ist wirksam für die Akut- und Erhaltungstherapie und zur Rückfallprophylaxe. Es besitzt allerdings eine enge therapeutische Breite (Baird-Gunning et al. 2017, Hayes et al. 2016). Daher ist die Überwachung der Arzneistoffkonzentration im Blut, d.h. Therapeutisches Drug Monitoring (TDM), bei einer Behandlung mit Lithium obligat (Hiemke et al. 2018). Die Blutspiegel (die Begriffe „Blutspiegel“, „Plasmakonzentration“ oder „Serumkonzentrationen“ werden synonym gebraucht) von Lithium schwanken intra- und interindividuell erheblich, vor allem bei veränderter Nierenfunktion ist immer mit einer Veränderung der Lithiumkonzentration zu rechnen. Um eine effektive Wirkung bei möglichst guter Verträglichkeit zu erzielen, sollten die Konzentrationen von Lithium zwischen 0,5 und 1,2 mmol/l, möglichst zwischen 0,5 und 0,8mmol/l, liegen. Bei einer Konzentration unter 0,5 mmol/l ist mit keiner therapeutischen Wirkung zu rechnen. Über 1,2 mmol/l ist Lithium potenziell toxisch, 1,5 mmol/l dürfen nicht überschritten werden (Malhi et al. 2016). Bei Alterspatienten wird als maximale Konzentration 0,6 mmol/L empfohlen (Sun et al. 2018).
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Cannabis – Potential und Risiken. Ergebnisse einer wissenschaftlichen Analyse (D. Hermann, F. Kiefer, ZI Mannheim)

Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit wurden die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Risiken des Cannabis- Freizeitkonsums und zu dem Potential von Cannabisarzneimitteln in einem systematischen Review zusammengefasst (1). Die Ergebnisse werden in einem Buch publiziert, das sich noch im Druck befindet (2). Ein Kurzbericht wurde bereits am 30.09.2017 vom BMG veröffentlicht. Ziel war eine objektive, valide und an der besten wissenschaftlichen Evidenz orientierte Bewertung der in den seit 2006 publizierten Daten. Die Literaturrecherche beinhaltete eine systematische Suche in den Datenbanken PubMed, Medline, PsycINFO, EMBASE und der Cochrane Data Base of Systematic Reviews. Eingeschlossene Arbeiten wurden auf ihre methodische Qualität geprüft, Mängel in der Güte und Risiken für einen Bias analysiert und ein Evidenzgrad für jede Studie vergeben. Basierend auf der Studienanzahl, Qualität und Konsistenz der Ergebnisse, wurde eine Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit der Ergebnisse nach CERQual vorgenommen. Bei der Datenanalyse wurden geschlechts- und altersspezifische Effekte dezidiert mituntersucht.
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Antidepressiva – Update zum Risiko intrakranieller Blutungen

Bereits seit längerem ist bekannt, dass es aufgrund einer Thrombozytenfunktionsstörung mit verminderter Aggregationsfähigkeit unter Antidepressiva mit Hemmung der Serotoninwiederaufnahme zum Auftreten einer verlängerten Blutungszeit und/oder Anzeichen einer Blutung kommen kann (s. Abschn. 1.5.4 im Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie).
In Bezug auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen ergab eine neue retrospektive Fall-Kontroll-Studie, die 2017 in JAMA Neurology veröffentlicht wurde, wiederum ein erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen in Abhängigkeit der Affinität der Antidepressiva zum Serotonintransporter [1]. Ein erhöhtes Risiko zeigte sich hier für Antidepressiva mit starker Affinität zum Serotonintransporter als Ausdruck einer ausgeprägten Hemmung der Serotoninwiederaufnahme im Vergleich zu Antidepressiva mit niedriger Affinität zum Serotonintransporter, insbesondere während des ersten Monats der Einnahme und im Fall einer Kombination mit oralen Antikoagulanzien. Weiterlesen

Aripiprazol – FDA-Zulassung eines Sensorsystems für die Tabletten-Einnahme

Die FDA hat im November 2017 das Einnahmesystem (digital ingestion tracking system) „Abilify MyCite” bei Patienten mit Schizophrenie, Bipolarer Störung und als add-on bei schweren Depressionen zugelassen (zugelassene Indikationsbereiche für Aripiprazol in den USA) [1]. Aripiprazol-Tabletten ( Otsuka) sind dabei mit einem Sensorsystem (Proteus Digital Health, enthält u.a. Kupfer und Magnesium) versehen, das nach Kontakt mit Magensäure digitale Signale sendet, die von einem Sensor, der in einem Pflaster auf der Haut in Rippennähe angebracht wird und wöchentlich gewechselt werden muss, empfangen werden. Die Signale können von einer App empfangen und ggf. an eine Cloud gesendet werden. Die Verordnung von Abilify McCite ist mit der Ausgabe und Erklärung einer ausführlichen Medikationsberatung verbunden [1].
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